Star Wars Episode VIII : The Last Jedi – Das Imperium der Mickey Mouse schlägt zurück

Obwohl ich es diesmal wirklich geschafft habe, mich bis zur ersten Sichtung von Spoilern fern zu halten, hatte ich trotzdem das Gefühl 2/3 des Gesehenen irgendwie schon einmal zuvor gesehen zu haben. Warum das so ist, und wie ich zu der Frage stehe ob The Last Jedi ein sehenswerter Star Wars Film ist, könnt ihr in diesem Review nachlesen.

Luke Skywalker : This is not going to go the way you think ….

(Vorsicht Spoiler!)

Handlungsrahmen

Nachdem Nachwuchsjedi Rey (Daisy Ridley) am Ende von The Force Awakens endlich auf einer verlassenen Insel unserem Lieblings-Heldenarchetypen Luke Skywalker (Mark Hamill) begegnete, freute sich das Star Wars Fandom schon unbändig darauf die beiden  in der Fortsetzung The Last Jedi miteinander interagieren zu sehen. Doch Lukes Textzeile aus dem Trailer verrät uns schon, dass wir in dieser Hinsicht nicht wirklich das zu sehen bekommen was wir uns in den schönsten Farben ausmalten.

Nachdem Luke keine Anstalten macht Rey zum Jedi ausbilden zu wollen, und es ewig lange dauert bis wir eine ansatzweise Erklärung dafür bekommen warum das so ist, müssen wir uns im ersten Drittel des Films erstmal damit begnügen die Widerstandskämpfer im All gegen die First Order kämpfen und ziemlich abzuschmieren zu sehen. Und das obwohl General Hux (Domhnall Gleeson) als Oberbefehlshaber der Sternenzerstörerflotte noch inkompetenter rüber kommt als er es im vorhergehenden Film eh schon gewesen ist.

Poe Dameron (Oscar Isaac), den ich in The Force Awakens als Schuft der eigentlich doch sehr nett ist und Nachfolger von Harrison Fords Han Solo sehr passend fand, entpuppt sich hierbei als unglaublich narzisstischer Dickschädel, der glaubt alles besser wissen zu können als die Anführer der Rebellen – General Leia (Carrie Fisher) und Vice Admiral Holdo (Laura Dern).

Während Leia durch einen Bombentreffer auf ihr Schiff für den Großteil der Handlung außer Gefecht gesetzt wird und Poe den Aufstand gegen Holdo probt, müssen der Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) und seine neu gewonnene Mitstreiterin Rose Tico (Kelly Marie Tran) eine Nebenhandlung eröffnen, welche damit beginnt, dass sie auf einem Casinoplaneten auf der Suche nach einem Superhacker sind, der für sie die Kommandocodes der First Order entschlüssen soll. Am Ende wird von dem heren Plan jedoch rein garnichts umgesetzt. Dem Superhacker DJ (Benicio del Torro) gelingt es nicht in der vorgegebenen Zeit irgendetwas zu Ende zu bringen. Als er sich in die Enge getrieben sieht, verrät er die beiden sogar an die Security Truppe und Captain Phasma (Gwendolyne Christie) darf sich ein weiteres Mal Prügel abholen indem sie, wie schon in The Force Awakens, gegen ihren ehemaligen Untergebenen Finn abkackt, obwohl sie eigentlich die bessere Panzerung und die leistungsstärkeren Waffen besitzt.

Während dessen hat Rey es doch geschafft zumindest ein paar wichtige Grundinfos über die Macht aus dem Einsiedler Luke Skywalker heraus zu kitzeln. Sie weiß jetzt, dass es eine Balance zwischen Gut und Böse geben muss. Zufällig erhält sie auch gleich die Gelegenheit sich beim Abstecher in eine Höhle davon zu überzeugen, dass das Böse gerne kryptische Andeutungen macht, die eventuell etwas über die Zukunft verraten (oder auch nicht).

Ohne großartig von Luke unterrichtet zu werden, schafft Rey es sogar mit dem Nachwuchs-Sith Kylo Ren (Adam Driver) per telepathischer Projektion zu kommunizieren. Schließlich hilft sie Kylo auf ihrem Abstecher in den Thronraum des angeblichen Grand Leader Snoke (Andy Serkis) selbigen um die Ecke zu bringen. Als Kylo sie nach alter Sith–Manier auffordert gemeinsam über die Galaxis zu herrschen, macht sie dann aber doch einen Rückzieher und beschließt statt dessen doch lieber den Rebellen bei der Flucht auf einen öden Salzplaneten zu helfen.

Der Showdown zwischen Luke Skywalker, der sich am Ende dann doch noch in die Geschehnisse einmischt, und Kylo Ren findet vor dem belagerten Rebellenbunker statt. In einer eindrucksvollen Sequenz wird uns vorgeführt, dass weder Laserfeuer noch ein direkter Lichtschwertangriff eine Jedi töten können, wenn er sich durch telepathische Projektion auf das Schlachtfeld begibt. Allerdings ist der Akt des Projizierens so anstrengend, dass Luke im Anschluss daran das Zeitliche segnet.

Pro

Die Weltall–Kampfsequenzen zwischen den altbekannten X-Wings der Rebellen und den imperialen TIE-Fightern und Sternenzerstörern wurden wie immer mit allerbesten technischen Mitteln in Szene gesetzt. Natürlich geht mir als jahrzehntelanger Fan der Reihe das Herz auf, wenn ich diese ikonischen Fluggeräte sehe und höre. Vor allem mit Dolby Surround Sound und 4k Auflösung ,oder was auch immer gerade das größtmögliche High End auf diesem Sektor ist.

Von den Aufnahmen die nicht computergeneriert sind gefallen mir die Sequenzen auf Lukes einsamer Insel (die sich in unserer Realität irgendwo am Rande Schottlands befindet) am besten. Diese Location ist wirklich perfekt um als Refugium für den von seinen eigenen Handlungen schokiert Abstand nehmenden Antihelden zu dienen, der in der Zeit zwischen Return oft the Jedi und dem aktuellen Film aus Luke geworden ist. Natürlich werden auch hier wieder Erinnerungen an die klassische Star Wars Trilogie wach, als wir gemeinsam mit Luke auf die beiden ebenfalls im Exil lebenden Ex-Jedi Obi Wan Kenobi und Yoda trafen, welche sich nach dem Debakel der Machtübernahme Emperor Palpatines in die Wüste bzw. auf einen Sumpfplaneten zurück gezogen hatten.

Luke benimmt sich Rey gegenüber auch ähnlich wie Obi Wan und Yoda sich ihm gegenüber benommen hatten. Kein Wunder also, dass Yodas Forceghost in der Mitte des Filmes auch einen kleinen Auftritt bekommt, in dem er zusammen mit Luke die letzten Reste der Jedi-Literatur abfackelt um Raum für neue Ideen und Lösungswege im Konflikt mit der bösen Seite der Macht zu eröffnen.

Yoda: Have you read them ? Page-turners they’re not.

Am Ende des Films sehen wir Luke schließlich auch eine ähnlich heroisch-selbstlose Handlung setzen wie der ebenso widerwillig aus seinem Exil zurück gekehrte Obi Wan in A New Hope. Luke stellt sich, mehr oder weniger persönlich, dem Kampf mit seinem zur bösen Seite übergelaufenen Schüler und lässt sich im Prinzip ähnlich wie Obi Wan von dessen Hass umbringen, wobei er selbst aber seinen Frieden mit der Welt macht und sich am Ende, wie für einen Jedi üblich, in Luft auflöst. Auch seine Botschaft an Kylo ist eine Variation dessen was Obi Wan damals zu Darth Vader gesagt hatte:

Obi Wan: You can’t win, Darth. If you strike me down, I shall become more powerful than you can possibly imagine.

Luke: Strike me down with anger and I will always be with you. Just like your father.

Wobei es wohl eher wahrscheinlich ist, dass Kylo Ren in Episode IX von Lukes Forceghost heimgesucht werden wird, und der Geist des von ihm in The Force Awakens getöteten Han Solo auch weiterhin nur im übertragenen Sinn auf seiner dunklen Seele lastet.

Ich habe mich bei der Gelegenheit auch gefragt, ob es eigentlich möglich ist, dass der Forceghost von Anakin Skywalker / Darth Vader, der ja der Großvater von Kylo Ren ist, diesem in Zukunft mal erscheint und ihm erzählt wie scheiße es eigentlich ist sein verbleibendes Leben lang von Hass zerfressen dahin zu vegetieren. Oder geht das nur, wenn die beiden sich vor dem Tod des Geistes schon kannten ?

Contra

Wie bereits erwähnt, hatte ich den ganzen Film lang das Gefühl 2/3 des Gezeigten in irgendeiner Form schon einmal gesehen zu haben. Die Geschehnisse rund um Rey und Kylo sind eine Variation dessen was sich in der klassischen Star Wars Trilogie zwischen Luke, Vader und dem Imperator  ereignete. Nur irgendwie im Zeitraffer, da Grand Leader Snoke ja schon in der Mitte des des Films von Kylo per Laserschwert in zwei Hälften geteilt wurde, was wiederum an den unrühmlichen Tod von Darth Maul in The Phantom Menace erinnert.

Von dem Drittel, das wirklich neuartig war, sind mir zum Großteil leider nur die zahlreichen vollkommen un-star-wars-igen Dinge im Gedächtnis geblieben. Hier eine kleine Aufstellung, die keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

  • Der gezwungen lustige Dialog zwischen Poe Dameron und General Hux am Beginn der ersten Weltraumschlacht, in dem Poe so tut als würde er Hux Antwort auf seine Frage nicht hören.
  • Die Slapstick – Szene als General Hux vor Schreck ausrutscht als die überdimensionierte Projektion von Snokes Kopf vor ihm erscheint und er gleichzeitig von diesem mit der Macht gewürgt wird, weil er wieder einmal an einer einfachen Aufgabe gescheitert ist.
  • Die Porgs = kleine, niedliche Tierchen, die keinerlei für die Handlung wichtige Funktion erfüllen, aber sich gut als Merchandise für Kinder eignen
  • Leias Supergirl-Auftritt, als sie sich mit Hilfe der Macht aus dem Vakuum zurück ins Innere des halb zerstörten Raumschiffes rettet.
  • Die froschartigen Viecher, welche auf Lukes Exilinsel aufräumen was Rey dort kaputt schlägt.
  • Eine nicht zur Handlung passende Sequenz in der Finn und Rose auf dem Casinoplaneten ein paar pferdeartige Reittiere befreien, welche dort für die Veranstaltung von Rennen missbraucht werden
  • Ein kleines Kind, welches in den Ställen des Casinoplaneten arbeiten muss und am Ende von Lukes heroische-selbstlosem Opfer inspiriert wird und davon träumt sein tristes Leben zu verlassen um dem Widerstand beizutreten
  • Rose Ticos Monolog an Finn bevor sie in Ohnmacht fällt – Motto: Das Gute zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht das Böse zerstört, sondern das rettet was es liebt – Auch wenn es andersrum bedeutet hätte, dass ein erheblicher Teil der Kampfkraft des Feindes lahmgelegt worden wäre und auf Seiten der Rebellen bei der Flucht wahrscheinlich weniger Leute gestorben wären als mit allen Waffen intarkt.

Letzteres war dann auch die Stelle an der Mr. Kroki (mit dem gemeinsam ich The Last Jedi im Kino ansah) mir sichtlich entnervt zuraunte: “ Fick dich, Mickey Mouse !“

Was mich an den aufgezählten Aspekten am meisten nervt ist, dass es sich ziemlich offensichtlich um Dinge handelt, die aus dem Disneyland und der dahinter stehenden Unternehmensphilosophie ins eigentlich vollkommen artfremde Star Wars Universum importiert wurden. Nicht falsch verstehen – ich bin durchaus kein Feind von Disney Filmen. Wenn ich allerdings eine Disneygeschichte sehen möchte, dann gehe ich mit genau der Intention ins Kino und weiss von Vornherein worauf ich mich da einlasse. Wenn ich aber einen Star Wars Film sehen möchte, brauche ich die weich gewaschene Disneyscheiße inklusive lustige Slapstick–Szenen zur Auflockerung dunkler Inhalte und die obligatorischen süßen Kuscheltiere sowas von überhaupt nicht.

Der Fairness halber muss ich hier aber auch festhalten, dass es einen seltsamen Aspekt gibt, dessen Herkunft nicht auf die typische Disney-Masche zurück zu führen ist. Und zwar ist dies Poe Damerons Wandlung vom heroischen X-Wing Piloten zum haudrauf Egomanen, der ohne die Gründe für die Führungsentscheidungen von Vice Admiral Holdo zu kennen eine Meuterei anzettelt. Ich würde wirklich gerne wissen wer im Autorenteam zum Geier auf die Idee kam und warum beschlossen wurde den Charakter in dieser Form weiter zu „entwickeln“. Was ist die dem zugrunde liegende Aussage? Soll das unterhaltsam sein, oder cool oder hat Schauspieler Oscar Isaac irgendjemanden in der Produktionscrew so sehr geärgert, dass man ihm absichtlich nur mehr Scheiße zu tun gibt?

Fazit

Das ist in diesem Fall wirklich schwierig. Trotz der bereits angeführten Schwächen ist The Last Jedi kein wirklich schlechter Film. Wie gesagt fand ich ihn optisch toll umgesetzt und kann auch einzelnen Handlungselementen, vor allem was Luke, Rey und die schräge Variation der Lehrer–Schüler–Nicht-Beziehung betrifft, durchaus etwas abgewinnen. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ziemlich angepisst von der Tatsache, dass die allmächtige Mickey Mouse mir in mein Science Fiction Epos reinscheißt, indem sie blöde Kuscheltiere und Slapstickeinlagen darin platziert.

Warum nur hat George Lucas es für eine gute Idee befunden seine Firma Lucasarts und sämtliche Rechte an seiner Star Wars Schöpfung an die Cinderella–Dynastie zu verkaufen? Kann irgendwer bitte eine alternative Version der Geschichte entwickeln und die in ein paar Jahren als Fortsetzung rausbringen? Vielleicht gibt es dann auch wieder mal einen wirklich innovativen Star Wars Film, der uns was gänzlich Neues und Aufregendes über die Macht und ihre Wirkung auf das Universum erzählt.

Bis dahin ziehe ich mich zusammen mit 3 von 5 Krokis auf eine einsame Insel in Schottland zurück und gehe in mich, bis ich es schließlich irgendwann schaffe mich telepathisch in die Köpfe der Produzenten von Episode IX zu versetzten. Wünscht mir Glück und möge die Macht mit euch sein. Immer.

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Wie hat euch Episode VIII : The Last Jedi gefallen? Top oder Flop?

Eure Infos, Fragen und Antworten könnt ihr wie immer in den Kommentaren posten. Über Rückmeldung freue ich mich immer !

1 Kommentar

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