Star Trek Discovery Staffel 2 – ein paar Gedanken zu den Folgen 1-4

Nach einer anfangs etwas holprigen, aber am Ende doch sehr soliden 1. Staffel des Star Trek Spin-offs, der zeitlich ca. 10 Jahre vor der Ära Captain Kirks angesiedelt ist, war ich schon sehr gespannt auf die Forstsetzung der Geschichte in Staffel 2. Bisher sind 4 Folgen auf Netflix zu sehen, der Rest folgt mit je einer neuen Folge pro Woche (Freitag). Ob meine freudigen Erwartungen bisher erfüllt wurden, könnt ihr in diesem Artikel mit meinen Gedanken über die ersten 4 Folgen nachlesen.

Vorsicht, milde Spoiler

Auf der Suche nach Mr. Spock

Der Storyarc dieser Staffel ist eine Art Brotkrummensuche nach dem vulkanischen Stiefbruder von Michael Burnham (Sonequa Martin Green). Amüsant finde ich, dass Spocks Auftritt (in dieser Inkarnation verkörpert durch Ethan Peck) in sämtlichen Trailern zur 2. Staffeln derart prominent geteased worden war, dass wir alle damit gerechnet hatten ihn gleich in der 1. Folge Brother zu Gesicht zu bekommen.

Konträr zu dieser Erwartung ist er bisher noch verschollen, angeblich verrückt geworden weil er seit seiner Kindheit „rote Engel“ sieht und irgendeine seltsame Vorgeschichte dahinter steckt, die mit weiteren Sichtungen dieser Erscheinungen an mehreren Ecken des bekannten Föderationsraums in Zusammenhang zu stehen scheint.

Lustig finde ich, dass einer der bekanntesten Star Trek Kinofilme mit der Original-Crew  den Titel The Search for Spock (Auf der Suche nach Mr. Spock) trägt. Was für ein Zufall, dass wir also schon wieder oder quasi noch immer auf der Suche nach ihm sind.

Ehrenrettung des  vormals eher ungeliebten Captains Christopher Pike 

Mir kam Brother, die erste Folge der 2. Staffel, fast schon wie ein kleiner Reboot vor. Nachdem Captain Lorca (Jhason Isaacs) ja am Ende von Staffel 1 das Feld räumen musste, bzw. Von Emperor Georgiou (Michelle Yeoh) gekillt wurde, muss natürlich erstmal Ersatz gefunden werden.

Wie es der „Zufall“ so will, ist die Enterprise gerade nicht in der Lage weite Weltraumreisen zu machen und muss nach einem Zwischenfall erstmal repariert werden. Dadurch steht der amtierende Captain der Enterprise, Christopher Pike (Anson Mount), interimsmäßig als Kommandant für die Discovery zur Verfügung.

Anson Mount auf der San Diego Comic Con 2018Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Obwohl sein Erscheinungsbild mich anfänglich vor allem durch die etwas zu eng geschnittene, goldenen Retro-Uniform irritierte, konnte diese Inkarnation von Captain Pike mich spätestens nach der 2. Folge New Eden davon überzeugen, dass sein Erscheinen in dieser Staffel doch eine sehr gute Idee der Drehbuchschreiber zu sein scheint. Zum Glück durfte er die etwas unvorteilhaft geschnittene, klassische Uniform auch sehr schnell gegen die bequemere Uniform der Discovery tauschen, in der er gleich mal viel entspannter und staatsmännischer wirkt.

Seit ich denken kann , bin ich ein Fan der Star Trek Originalserie aus den 1960ern. Trotzdem konnte ich bisher nicht wirklich viel mit der Figur des Captain Pike anfangen. Natürlich ist mir der erste, in die Hose gegangene Pilotfilm The Cage mit Jeffrey Hunter als Pike und Majel Barrett als 1. Offizier plus Leonard Nimoys Spock, als einziger Charakter der es auch in die danach reorganisierte Brückencrew schaffte, ein Begriff. Auch das etwas eigenartige Ende der Figur in der Folge The Menagerie ist mir geläufig. Aber ich kann nicht behaupten, dass der Charakter Christopher Pike mir bisher in irgendeiner Weise interessant genug erschienen wäre, um mich eingehender mit ihm zu beschäftigen. 

Umso mehr freue ich mich nun darüber, dass wir in dieser Staffel eine weitaus tiefgründigere und sympathischere Variante der Figur zu sehen bekommen. Der runderneuerte Captain Pike erinnert mich mit seinem besonnenen Auftreten, gelegentlich augenzwinkernden Kommentaren und betonter Professionalität als Führungskraft weit mehr an Captain Picard, den legendären Captain der Enterprise in den 1990ern, als an den bisher bekannten Charakter Pike aus den 1960ern. 

In wie weit unser aller Bewusstsein Über sein dramatisches Ende auch die weitere Interpretation seines Handelns in Star Trek Discovery beeinflussen wird, bleibt weiterhin spannend.

Die positive Wandlung des Paul Stammets

Nachdem ich mich etwas an den neuen Captain Pike gewöhnt hatte, fiel mir fast schon beiläufig die parallele der Charakterentwicklung des Biophysikers Lt. Commander Paul Stammets (Anthony Rapp) auf. Während er mir in der 1. Staffel, vor allem in den ersten paar Folgen, unglaublich arrogant, besserwisserisch und nervig vorkam, bemerke ich mittlerweile auch bei ihm eine subtile aber sehr erfreuliche Wandlung hin zu einem glaubwürdigen, ehrlichen und mitfühlenden Charakter, dem ich die Freundschaft mit der – leider noch immer ziemlich nervigen – Fähnrich Sylvia Tilly weitaus mehr abnehme als in der gesamten Staffel 1.

Ich nehme an, dass das Autorenteam die Figur des Paul Stammets aufgrund der Traumatisierung durch den Mord an seinem Lebensgefährten Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz) etwas gedämpfter und nachdenklicher schreiben wollte, was sich zum Glück auch ganz eindeutig positiv auf den Sympathiefaktor dieser Figur auswirkt.

Da es in vielen Geschichten ja so ist, dass eine Figur, deren Ableben sehr wahrscheinlich ist, vorher noch besonders gut, nett und anständig dargestellt wird, damit das Ende von uns ZuseherInnen dann besonders tragisch empfunden werden kann, rechne ich leider auch bei Stammets mit einem dramatischen Abgang in diese Staffel. Kann mich da aber auch täuschen. Es bleibt auch in dieser Hinsicht spannend.

Anthony Rapp auf der San Diego Comic Con 2018
Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Die offene Zukunft der angeblichen Kapitänsanwärterin Sylvia Tilly

Wo wir gerade bei den mir bisher eher unsympathischen Charakteren sind, muss ich gleich wieder an Fähnrich Tilly (Mary Wiseman) denken. Diese Figur spaltet das Fandom in absolute Tillyhasser und jene, die ihre unbeholfenen Hyperaktivität und den ständigen Selbstzweifeln, gepaart mit oft haarsträubend peinlichen Auftritten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten, irgendwie liebenswert sympathisch finden.

Mary Wiseman auf der San Diego Comic ConGage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Was mich angeht, so finde ich mich leider zunehmend auf der Seite der ZuseherInnen wieder, welche dieser Figur nur wenig abgewinnen können. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich etwas gegen jene Fans habe, die diesen Charakter lieben oder ihr neutral gegenüber stehen. Ich verstehe was ihre Funktion In der Geschichte sein soll, kann mich aber leider so wirklich garnicht mit ihr als, angeblich authentische, Frauenfigur identifizieren. Ich sehe mir die Show rund um ihre Charakterentwicklung zur angeblichen Anwärterin auf einen Kapitänsposten also quasi aus der Ferne an und versuche bei der Beurteilung des Gesehenen halbwegs objektiv zu bleiben.

Fairerweise muss ich sagen, dass der Cliffhanger am Ende von Folge 4 An Obol for Charon, nach dem nicht klar ist wohin sie von der blobartigen Alien Entität verschleppt wurde, sehr gut gelungen ist. Obwohl sie mir eher nicht so sympathisch ist, möchte ich trotzdem wissen wie’s weiter geht.

Charakterentwicklung des 1. Offiziers Saru

Der Kelpianer Lieutenant Saru (Doug Jones) ist neben Captain Lorca (RIP) und Michael Burnham eindeutig einer meiner Lieblingscharaktere der Serie. Während ich mich, wie schon gesagt, mit Tillys ständiger Selbstunsicherheit nicht wirklich anfreunden kann, erscheint mir Sarus Lebensgeschichte da schon weitaus interessanter und nachvollziehbarer.

Als Kelpianer gehört er einer Spezies an, die auf ihrem Heimatplaneten als Beutetiere für eine andere, dominantere Spezies dient. Um zu überleben haben sie eine erstaunlich feinsinnige Empathie entwickelt und besitzen sogar ein Organ namens Fear Ganglia (Angstganglium), welches sich immer dann aktiviert, wenn eine Situation gefährlich zu werden droht. Anders als Tilly gelingt es Saru aber auch in jenen Situationen professionell zu reagieren und den meisten Gefahren auch trotz Angstzuständen ohne peinliche Fehltritte gewachsen zu sein.

Umso  mehr fürchtete ich im Laufe der 4. Folge An Obol for Charon schon er könne uns aufgrund seines Gesundheitszustands ebenfalls viel zu früh verlassen. Zum Glück kam es nicht dazu, sonst hätte ich wahrscheinlich in diesem Artikel eine etwas andere Gesamtsicht auf die Dinge beschrieben. 

Interessant ist die  Frage wie sehr die Geschehnisse am Ende jener Folge sich auf seine weitere Charakterentwicklung auswirken werden. Bisher war er ja schon ein paar Mal kurz davor Captain der Discovery zu werden, wobei er jedes Mal nur aufgrund der Abwesenheit des eigentlichen Captains als Ersatz eingesetzt wurde und nun mit Captain Pike schon wieder jemand anders das Kommando über das Raumschiff übernehmen durfte.

Spannend wird, ob er mit seiner neu gewonnenen Angstbefreitheit auch vehementer darauf bestehen wird, seine Expertise auch über die kurzen Einsätze hinaus einsetzen zu dürfen und sich daraus evtl. ein Konflikt mit Pike ergibt.

Fazit

Für die ersten 4 Folgen der 2. Staffel Star Trek: Discovery poste ich an dieser Stelle ein sehr positiv gestimmtes, zufriedenes Kroki, das sich gut unterhalten fühlt und unbedingt wissen will wie es weiter geht.

glückliches Kroki

Fragen die sich mir nach den ersten 4 Folgen stellen:

  • Wer sind die roten Engel Aliens, was wollen sie uns mit ihren Auftritten sagen und sind sie gut, böse, oder doch nur gut gemachte Projektionen die jemand mit ganz anderen Hintergründen ins Universum aussendet ?
  • Werden wir in das mehrere Universen verbindende Myzelium Network zurück kehren und heraus finden warum gerade Fähnrich Tilly für die darin lebenden Entitäten so wichtig zu sein scheint, dass sie durch das Blob-Alien von der Discovery entführt wurde ?
  • Werden wir Hinweise auf Captain Pikes nahendes Ende erhalten und steht dies in irgendeinem Zusammenhang mit dem Schicksal des Myzelium Networks, den roten Engeln und der Zukunft des Raumschiffs Discovery ?
  • Werden wir Spock noch vor der letzten Folge dieser Staffel endlich finden, oder machen die Drehbuchschreiber einen auf Star Wars – The Force Awakens und lassen ihn beinhart erst ganz am Ende der Geschichte auftreten ?

Wie hat euch die 2. Staffel Star Trek Discovery bisher gefallen ?

Was denkt ihr wie es weiter geht ?




3 Gedanken zu „Star Trek Discovery Staffel 2 – ein paar Gedanken zu den Folgen 1-4

  1. Ich vermute das wir Spock ca.in der Staffelmitte sehen werden. Der/die rot(en) Engel lassen mich auch ordentlich grübeln. Optisch erinnern sie mich an die Iconier aus Star Trek online, aber diese halfen niemanden und waren eher auf Krieg aus.
    Ich vermute Folge 5 wird auch die Sporenantriebs Geschichte zu einem Ende bringen. Wenn die Sprünge die dort lebenden Aliens verletzen, töten oder was auch immer wär es logisch wenn die Sternenflotte sagt „Nope Leute das wars, wir können das nicht mehr riskieren und werden jegliche Möglichkeit diese Antriebsart zu nutzen unsersagen“, Damit wär auch der Kanon gerettet.

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    1. Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Iconier nicht kenne, bzw. nur aus diversen Fantheorien .
      Bei der Spock Geschichte hätte ich gerne noch eine Erklärung warum er Burnham sein ganzes Leben lang verschweigen wird. Föderations-Staatsgeheimnis?

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