Doctor Who S11E06 : Demons of the Punjab

Es gibt Dinge die ich erheblich lieber tue als mir Gedanken über die 11. Staffel Doctor Who zu machen. Da ich aber schon mal angefangen hatte die einzelnen Folgen zu besprechen, möchte ich mit der Tradition nicht so einfach brechen. Hier geht es also weiter mit Folge 6 Demons of the Punjab.

Vorsicht Spoiler

Handlungsbogen

Wir lernen Yasmins Großmutter Nani (Leena Dhingra) kennen und machen einen Ausflug ins Indien der 1940er Jahre, um zu ergründen warum sie so ein großes Geheimnis um ihre Vergangenheit macht und welche Rolle die alte Armbanduhr spielt, die sie wie einen Schatz hütet, um sie schließlich an ihre Enkeltochter weiter zu geben.

Pro

Das historische Setting ist eine wirklich gute Idee, da wir in der bisherigen Seriengeschichte noch nie  zuvor eine Folge hatten, die in Indien spielte. Dieses Territorium wurde bisher noch nicht betreten und hätte durchaus Potential eine exotische Kulisse für spannende Inhalte zu bieten. Vor allem in Bezug auf die sozialhistorischen Hintergründe der Spaltung der einstigen britischen Kolonie in die Staaten Indien und Pakistan.

Wenn ich an die Geschichte der Spaltung Indiens und Pakistans denke, verbinde ich damit literarisch gesehen besonders den Roman Mitternachtskinder von Salman Rushdie. Den musste ich vor ein paar Jahren für eine Prüfung an der Uni lesen und interpretieren, was zwangsläufig dazu führte, dass ich mich mit den historischen und literarischen Grundlagen des Romans eingehender beschäftigte.

Das Genre des Romans ist der sogenannte Magische Realismus. Warum erwähne ich das? Weil in literarischen Werken dieses Genres – ähnlich wie in der TV Serie Doctor Who – sehr kreativ mit der Vermischung von realer Welt und phantastischen oder magischen Elementen umgegangen wird. Dem entsprechend konnte ich mir also sehr gut vorstellen, dass eine Behandlung des realhistorischen Themas in einer Doctor Who Folge durchaus Sinn macht.

In Rushdies Roman ist die Hauptfigur ein junger Mann, der exakt zu jenem Zeitpunkt geboren wurde, als man Indiens Unabhängigkeit von der Kolonialherrschaft der Briten ausrief. Es stellt sich heraus, dass er dadurch Teil einer uralten, sich gerade erfüllenden Prophezeiung wurde. Sein persönliches Lebensschicksal ist auf magische Weise mit der Geschichte Indiens und Pakistans verbunden. Alles was ihm und seiner Familie persönlich widerfährt, spiegelt sich in der Entwicklung der beiden Länder wider und umgekehrt.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte offensichtlich auch Vinay Patels Drehbuch zu Demons of the Punjab. Die Hauptfigur Nani erfährt mit ihrer Familie im kleinen Rahmen genau dieselbe Spaltung wie sie das Land im Großen und Ganzen erfährt. Da wir als Zuseher dazu neigen, empathischer für Individuen zu sein als für die weitgehend unbekannte Masse, ist der Fokus auf eine einzelne Person und ihr Schicksal ein sehr guter Ansatz um uns die Tragik der Situation und deren Auswirkung auf die davon betroffenen Menschen bewusst zu machen. Das phantastische Element in der Geschichte sind unsere vier Zeitreisenden aus der Zukunft (Doctor, Graham, Ryan und Yaz) .

Contra

Das historische Setting und die ansich sehr vielversprechende Idee, Yaz Familiengeschichte in einer Mischung aus Realismus und phantastischem Zusammenhang zu einem Abenteuer von 4 Zeitreisenden zu beleuchten, werden leider am Ende nicht sehr spannend ausgestaltet. 

Wir erfahren einiges über Großmutter Nanis doppelte Liebesaffäre und die Hintergründe für ihre Entscheidung aufgrund der unsicheren Gesamtsituation nach Großbritannien auszuwandern. Leider hat das alles aber so gut wie keine Auswirkung auf zukünftige Ereignisse im Doctor Who Universum.

Vor allem für die Charakterentwicklung von Yaz (Mandip Gil) hätte ich mir da viel mehr erwartet. Die wenigen Interaktionen mit ihrer jungen Großmutter und den anderen Personen in der Vergangenheit tragen leider überhaupt nichts dazu bei, mehr über ihre eigene Weltsicht, ihre Emotionen oder irgendeine charakterliche Weiterentwicklung zu erfahren. Sie ist wie immer anwesend, hat aber weiterhin kein wirklich greifbares psychologisches Profil und bleibt leider am Ende genauso farblos wie zuvor. 

Etwas aufgesetzt wirkten diesmal leider sämtliche Auftritte der Aliens. Ihre einzige Funktion ist es, den Doctor kurzzeitig vom eigentlichen Geschehen abzulenken, indem sie zunächst fälschlicherweise für Dämonen gehalten werden. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass sie eigentlich nur Beobachter sind, die Erinnerungen von sterbenden Menschen archivieren wollen, weil ihre eigene Spezies – bis auf wenige noch lebende Individuen – durch mehrere Kriege ausgerottet wurde und sie sich jetzt irgendwie für die Konservierung von Erinnerungen anderer zuständig fühlen.

Kommt uns das nicht irgendwie seltsam bekannt vor? Was für ein Zufall, dass die Aliens aus Twice Upon a Time, dem Weihnachts-Special 2017 (letze Folge mit dem 12. Doctor Peter Capaldi), so ziemlich genau die selbe Handlungsmotivation hatten. Absicht? Oder einfach nur kein Bock darauf sich für unnötige Alienhandlung irgendeine halbwegs plausible, neue Erklärung auszudenken?

Irgendwie habe ich an dieser Stelle das Gefühl, dass das Drehbuch von Vinay Patel zunächst ohne den Auftritt dieser eher unoriginell kopierten Alienart auskam und sie erst im Nachhinein von irgendjemand anders in die Geschichte hinein adaptiert wurden.

Es ist als verfolge man zwei komplett voneinander getrennte Ideen, die aus Zwang in einen Topf geworfen wurden, nur um Aliens als phantastisches Phänomen im Programm dabei zu haben. Dabei hätte die Geschichte wahrscheinlich viel besser ohne sie funktioniert. Der Fokus wäre dann noch mehr auf den historischen Ereignissen gelegen, was der Folge zumindest eine gewisse Eigenständigkeit erlaubt hätte.

Fazit

Besser als die unsägliche Spinnenfolge, aber noch immer sehr weit davon entfernt was eine wirklich gut strukturierte, spannende und emotional wirkungsvolle Doctor Who Folge ausgemacht hätte.

Es wäre wohl besser gewesen dieses Mal auf den Auftritt von Aliens ganz  zu verzichten und die so gewonnene Sendezeit für eine emotionalere Verbindung von Yaz Charakterentwicklung zu den familienhistorischen Ereignissen und dem realhistorisch durchaus sehr interessanten Überbau herzustellen.

Leider wurde diese Chance vollkommen verschenkt und lässt mich als Zuseherin ein weiteres Mal verwundert darüber zurück, dass offenbar niemand bei der BBC genug Eier in der Hose hatte auf diese unglaublich offensichtlichen Mängel in der Qualität des Story Tellings in dieser Staffel hinzuweisen und entsprechende Änderungen zu fordern.

Als Wertung bleibt mir für diese Folge daher leider nur ein

ratloses, unglückliches Kroki

Wie hat euch die Folge Demons of the Punjab gefallen ?

Schaut ihr noch Doctor Who oder habt ihr es schon aufgegeben ?

Was erwartet ihr euch von der für nächstes Jahr geplanten Staffel 12 ?


Ein Gedanke zu „Doctor Who S11E06 : Demons of the Punjab

  1. Aufgegeben nicht, aber irgendwie pausiert. Peter Capaldi als Doctor zog mich einfach nicht in seinen Bann und um die erste Frau als Doctor zu würdigen fehlte mir ein wenig die Zeit und derzeit auch die Lust. Aber sie bekommt ihr Chance, versprochen! 🙂
    Doctor Who ist halt speziell, da hat man nicht immer die richtige Laune für. Sagt der der gerade „Der Galgen von Tyburn“ ausgelesen hat…

    Liken

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