The Last Five Years – Review der konzertanten Aufführung des Vienna Theatre Project 2016

Das Musical The Last Five Years von Jason Robert Brown aus dem Jahr 2001 wurde von 5. Bis 9. Dezember 2016 unter der Regie von Joanna Godwin-Seidl  in einer konzertanten Fassung mit den Darstellern Drew Sarich als Jamie Wellerstein und Caroline Frank als Cathy Hiatt aufgeführt. Ich habe die Vorstellung am 9.12.2016 gesehen und möchte mit etwas Verspätung von meinen Eindrücken berichten.

Setting

Wir sind in der Gegenwart. Orte der Handlung sind irgendwo im ländlichen Ohio sowie in der Stadt New York. Jamie Wellerstein ist ein junger, aufstrebender Autor und Cathy Hiatt eine Schauspielerin, die in der Theatermetropole durchstarten will.

Handlungsrahmen

Wie der Titel schon nahe legt, geht es um die letzten 5 Jahre im Leben der beiden Protagonisten Jamie und Cathy. In dieser Zeit lernten sie einander kennen, verliebten sich, heirateten, lebten sich auseinander und trennten sich wieder. Während Cathy damit hadert dass ihre Schauspielkarriere nicht richtig anläuft und sie immer mehr an Selbstvertrauen verliert, wird Jamie zum erfolgreichen Buchautor.

Die beiden Akteure erzählen jeweils ihre Sichtweise der Geschichte, wobei sie dabei in entgegengesetzter Reihenfolge vorgehen. Während Jamies Songs die Ereignisse und seine Entwicklung chronologisch schildern, fängt Cathys Story mit dem Ende an und rollt sich rückwärts bis zum Anfang auf. Beide Erzählungen treffen sich nur in der Mitte, an dem Punkt wo sie sich ineinander verlieben und heiraten.

Mein Eindruck von Stück und Vorstellung

Das Brick-5, Verein zur Förderung multimedialer Kunst und Technik,  im 15. Wiener Gemeindebezirk, war eine sehr passende Location für die  konzertante Aufführung dieses 2-Personen-Stücks in einem entsprechend intimen Rahmen. Als Zuseher saß man praktisch direkt neben oder vor den Darstellern, wodurch man sich direkt angesprochen fühlte und neben den tollen Gesangsleistungen auch jede Mimik und Gestik aus der Nähe beobachten konnte. Als einziges Bühnenbild fungierten 2 Sessel die in der Mitte aufgestellt waren, sowie ein Notenständer für Cathys Szene beim Vorsingen/Vorsprechen in New York.

Die beiden Darsteller Drew Sarich (dem Wiener Publikum vor allem bekannt durch die Musicals Jesus Christ Superstar, Hair und Mozart) und Caroline Frank (spielte u.a. in Mamma Mia) harmonierten sehr gut miteinander, obwohl das bei einem Stück in dem beide Rollen bis auf 1 Szene  (Song „The next ten minutes“) irgendwie immer aneinander vorbei spielen müssen besonders schwierig ist.

Besonders zu erwähnen ist der Umstand, dass Caroline Frank sehr kurzfristig für die eigentliche Darstellerin der Cathy, Anne Mandrella, einspringen musste, da diese aufgrund einer starken Erkältung ausfiel. Dem Publikum wäre dies wahrscheinlich wenig bis garnicht aufgefallen, denn trotz eigener beginnender Erkältungsbeschwerden meisterte Frank den Auftritt sehr souverän.

Auch die musikalische Begleitung durch Klavier (Birgit Zach), Violine (Sarah Grubinger) und Cello (Matthias Bartolomey) war angenehm reduziert und dem heimeligen Rahmen angemessen.

Von den Songs her sind mir Cathys „Climbing Uphill“ und Jamies „The Schmuel Song“ am besten im Gedächtnis geblieben. Während erster eine unglücklich verlaufende Audition Cathys in einem New Yorker Theater schildert, geht es in letzterem um eine von Jamies selbst geschriebenen Geschichten, die davon handelt dass der Schneider Schmuel mit Hilfe einer magischen Uhr in die Situation kommt unendlich viel Zeit für die Erfüllung seiner Träume zu haben. Als symbolisches Weihnachtsgeschenk bekommt Cathy von Jamie eine Uhr geschenkt, die seine Unterstützung ihrer Schauspielkarriere unterstreichen soll. Dementsprechend tragisch ist natürlich dann das Ende der Beziehung.

Fazit

Das Stück lebt sehr stark von der Chemie zwischen den Hauptdarstellern, sowie von der besonderen Erzählstruktur. Ohne beides wäre die Geschichte wohl eine ziemlich generische Liebe- Hochzeit- Entfremdung-Scheidungs- Geschichte. Die entgegengesetzte Erzählung aus den beiden unterschiedlichen Perspektiven (chronologisch vs. von hinten nach vorne) funktioniert am besten wenn man als Zuschauer, wie ich, vorher nicht weiß dass die Handlung in dieser Weise vorgetragen werden wird. So hat man am Anfang den Eindruck Cathy würde sich aus einer vorhergegangenen Beziehung lösen und dann mit Jamie zusammen kommen, bis man spätestens nach der Überschneidung bei der Hochzeit merkt, dass es für beide die ganze Zeit entgegengesetzt weiter geht. So entstand zumindest bei mir der Eindruck als seien die beiden Charaktere in einem ewigen Kreislauf der Annäherung und Abwendung, wodurch das Ende noch einen Tick emotionaler erscheint als es eh schon ist.

Alles in allem ein sehr gelungener Theaterabend in einem heimeligen Rahmen, der definitiv Lust auf mehr solcher Projekte und Veranstaltungen macht. Ich hoffe sehr, dass wir in Zukunft mehr vom Vienna Theatre Project und dem Brick-5 hören werden. Vielleicht entsteht ja nun auch in Wien endlich sowas wie ein Off-Broadway, jenseits der großen Musicalbühnen.

Caroline Frank war mir zuvor noch kein Begriff, doch ich möchte von ihr definitiv mehr hören und sehen. Von Drew Sarich wünsche ich mir ebenfalls mehr solche Auftritte, in denen er auf Englisch singen darf, da er dabei noch viel expressiver und authentischer wirkt als in deutschsprachigen Rollen.

Die von mir besuchte Vorstellung am 9.12.2016 bekommt von mir daher musikalische 4 von 5 Krokis, von denen zwei sich chronologisch in der Zeit bewegen und zwei entgegengesetzt von hinten nach vorne.

cropped-kroki.jpg  cropped-kroki.jpg  cropped-kroki.jpg  cropped-kroki.jpg    4 / 5

Habt ihr das Stück in dieser oder einer anderen Aufführung schon gesehen ? Was gefällt euch daran und was nicht ? Eure Wahrnehmungen, Fragen und Antworten könnt ihr wie immer in den Kommentaren posten.

Über Rückmeldung freue ich mich immer !

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