Alien : Covenant (2017) – Heldenepos vs. Frankensteins Monster

Alien : Covenant ist wieder so ein Film über den man eigentlich nicht sinnieren kann ohne irgendetwas zu verraten das unter dem Stichwort Spoiler läuft. Da ich denke, dass alle die den Film unbedingt sehen wollten das zu diesem Zeitpunkt schon getan haben, hier mein spoilergefüllter Review in dem ich mich vor allem damit beschäftigen möchte was in diesem Film zwischen den Zeilen aus Zitaten über Kunst, Musik und Literatur heraus gelesen werden kann.

David: Look on my works, ye Mighty, and despair !

(aus dem Sonnet „Ozymandias“ von Percy Bysshe Shelley, 1817)

Dieses Zitat fasst ganz gut zusammen was manchen Fans der ersten beiden Filme des Franchises (Alien 1979 und Aliens 1986) über dessen neueste Inkarnation denken. Ridley Scott ist sozusagen der Schöpfer des Alien Universums, da der erste Film unter seiner Regie ein die Jahrzehnte überdauernder Klassiker wurde. Seit Scott mit dem Semi-Prequel Prometheus (2012) anfing erneut in der Xenomorpsuppe mit zu mischen, spalten sich die Geister hinsichtlich der Frage ob das ein genialer Schachzug war oder das endgültige Ende seines Rufs als unschlagbarer Herr über die Aliens bedeutet. Alien : Covenant hat es hierbei mit noch mehr Diskussionen zu tun als der Vorgänger Prometheus.

Handlungsrahmen

Die Firma Weyland Utani schickt diesmal nicht nur einen Raumfrachter oder ein wissenschaftliches Raumschiff los um die Weiten des Alls zu durchqueren, sondern gleich eine ganzes Kolonieschiff mit hunderten Menschen im Kryoschlaf und ebenso vielen eingefrorenen Embryos an Bord. Wie schon bei Prometheus, so ist auch auf der Covenant ein Android unter den Crewmitgliedern. Walter (Michael Fassbender) sorgt für die Überwachung der Kryopods, während die Crew auf der mehreren Jahre dauernden Reise friedlich dahinschläft. Nach einem Zwischenfall, in dem eine Sonneneruption das Schiff stark beschädigt und der Captain (James Franco in einem superkurzen Cameo) getötet wird, finden die restlichen bereits aus dem Kryoschlaf geweckten Crewmitglieder sich aber dann unerwartet unter der Führung des neuen Captains Oram (Billy Crudup) wieder.

Dieser ist sich darüber bewußt, dass er nicht annähernd das selbe Vertrauen der Crew genießt wie der traurig Verstorbene. Dennoch ist seine erste große Entscheidung eine die sehr stark von seinen eigenen (religiösen) Vorstellungen von Schicksalszufällen und Vorsehung geprägt ist. Das Kolonieschiff wird nach der Reparatur nicht gleich wieder auf Kurs zur eigentlichen Destination gebracht, sondern aufgrund einer ominösen Funkbotschaft, welche sich als von einem Menschen gesummte Melodie von Jon Denvers Take me home country roads entpuppt, auf den Planeten zugesteuert von dem die Botschaft zu kommen scheint.  Oram mutmaßt sogar, dass dieser Planet ein viel besserer Ort sein könnte um eine Kolonie aufzubauen. Die Einwände seines ersten Offiziers Daniels (Katherine Waterston), die auch die Ehefrau des verstorbenen Captains ist, werden zwar offiziell registriert aber nicht weiter ernst genommen.

Während nur 3 Crewmitglieder – Pilot Tennessee (Danny McBride) sowie das Pärchen Rosenthal (Tess Haubrich) und Ricks (Jussie Smollett) – an Bord der Covenant bleiben, begeben sich Lope (Demián Bichir), Karine (Carmen Ejogo), Cole (Uli Latukefu), Upworth (Callie Hernandez), Faris (Amy Seimetz), Hallet (Nathaniel Dean), Ankor (Alexander England) und Ledward (Benjamin Rigby) samt Walter, 1. Offizier Daniels und Captain Oram – zur Erkundung auf die Oberfläche des Planeten. Wie es der Zufall so will, stören starke Ionenstürme die Funkkommunikation, doch davon lässt sich doch niemand wirklich beeindrucken, oder ?

Es folgt was kommen muss: Der erste Erkundungsgang endet nicht nur mit der Erkenntniss, dass die Funknachricht von Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) stammt, welche nach den Begebenheiten aus Prometheus in einem Engineer Raumschiff auf dem Planeten offenbar bruchgelandet war, sondern auch mit den ersten durch Aliens verursachten Todesfällen.  RIP Karien, Faris, und zwei männliche Crewmitglieder die ich namentlich schwer auseinander halten kann.

Das mittlere Drittel des Films beschäftigt sich mehr mit den Zusammenhängen rund um die philosophischen Fragen welche schon in Prometheus aufgeworfen wurden. Wir treffen auf den Androiden David (Michael Fassbender), der seinem Nachfolgermodell Walter zum Verwechseln ähnlich sieht, jedoch viel mehr Eigenleben, Fantasie und gefährliche Allmächtigkeitsgedanken besitzt. Zunächst rettet er die verbleibende Crew vor weiteren Alienattacken und gewährt ihnen Unterschlupf in einem verfallenen Gemäuer, welches von den Leichen der ehemaligen BewohnerInnen des Planeten umgeben ist.

Natürlich stellt sich dann aber schnell heraus, dass David hinter all den seltsamen Umständen steckt. Er hat nicht nur die Bewohner des Planeten mittels des schwarzen Mutantenschleims der Engineers getötet, sondern anscheinend auch Shaw in ein gruseliges Hybridwesen zwischen Mensch und Alien verwandelt, ihr die Eingeweide entnommen und damit zum Ziel der Entwicklung neuer  Xenomorphgattungen experimentiert. Natürlich müssen im Zuge dieser Erkenntnisse noch weitere Crewmitglieder der Covenant dran glauben.  Am interessantesten ist dabei natürlich die Konfrontation zwischen Walter und David, in der bis zum Schluss nicht ganz klar ist wer am Ende die Oberhand behält.  RIP alle außer Daniels und Lope.

Letztere schaffen es als einzige in einer gefährlichen Hauruck-Aktion des Piloten Tennessee gerettet zu werden, welcher mit einem kleinen Frachttransporter durch den Ionensturm steuert um die beiden zurück zur Covenant zu transportieren. In dieser Sequenz findet sich auch die Szene am Ende der Trailer zum Film wieder, in der ein dem Xenomorph schon ziemlich ähnlich sehendes Monstrum versucht mit seinem Kopf durch die Frontscheibe des Cockpits zu brechen, aber schließlich doch noch abgeschüttelt werden kann.

An Bord der Covenant gibt es natürlich noch immer kein endgültiges Happy End. Ein zweites Xenomorph schlüpft aus Lope und killt das Pärchen Rosenthal / Ricks effektvoll unter der Dusche. Danach wird es aber in einer Art Homage an Aliens (1986) von Daniels und Tennessee per Attacke auf dem Parkdeck für Baggerfahrzeuge eingefangen und aus der Schleuse hinaus in Weltall katapultiert.

Ende gut, alles gut ? Der Android Walter bettet die beiden Überlebenden wieder in ihre Kryoschlafkammern und sie träumen friedlich bis zur Ankunft auf dem neuen Kolonieplaneten … Natürlich ist auch das nicht der Fall, denn kurz bevor sie einschläft erkennt Daniels, dass es nicht Walter ist der es mit auf die Convenant geschafft hat, sondern David.

Positive Apekte des Films

Musik und Literaturzitate – Wagner, Byron, Shelley

Das größte Plus an der Geschichte von Alien : Covenant ist wieder einmal die unglaublich präzise und überzeugende Darstellung der beiden Androiden durch Michael Fassbender. Dieser hatte ja schon als David in Prometheus geglänzt und erhielt nun die Chance in der Doppelrolle als David und Walter noch eins drauf zu setzen. Die Szenen in denen die beiden Androiden buchstäblich über Gott und die Welt diskutieren gehören zu meinen absolut liebsten Sci-Fi Dialogszenen überhaupt. Hier erkenne ich als Zuseherin die beste Recherche und Autorenarbeit aller Mitwirkenden, da sich in einigen wenigen Sätzen unglaublich viele Andeutungen aus Philosophie, Musik und Literatur verbergen, die ich als alte Geisteswissenschaftlerin sehr spannend und gedankenanregend fand.

Alien-Covenant-international-poster
Alien Covenant international poster (20th Century Fox)

Neben den sehr offensichtlichen Verweisen auf die Oper  Das Rheingold von Richard Wagner –  dem Lieblingskünstler der Nazis, welche an die absolute Überlegenheit des arischen Übermenschen glaubten – finden sich auch einige auf den ersten Blick weniger offensichtliche Anspielungen auf die Werke der englischen Romantiker Lord George Byron und Percy Bysshe Shelley sowie dessen Ehefrau Mary Shelley, der wir u.a. den Roman Frankenstein -or The modern Prometheus verdanken. Hier möchte ich ein bisschen weiter ausholen, da ich denke dass in diesen kleinen Verweisen auf gerade diese drei romantischen Autoren mehr steckt als nur pseudointellektuelles Geplänkel mit dem David und Walter einander beeindrucken möchten.

Als wir in einem Flashback sehen wie David die Einwohner des Planeten mit Hilfe der in Urnen verpackten schwarzen Schleimsubstanz tötet, welche er vom Planeten der Engineers mitgebrachte, zitiert dieser stoisch aber doch mit einer Träne im Auge eine Zeile aus dem Gedicht Ozymandias von Percy Bysshe Shelley (1792-1822). Das ganze Gedicht ist relativ kurz und scheint die Situation in der David sich selbst sieht sehr gut zu umschreiben:

I met a traveller from an antique land,

Who said—“Two vast and trunkless legs of stone

Stand in the desert. . . . Near them, on the sand,

Half sunk a shattered visage lies, whose frown,

And wrinkled lip, and sneer of cold command,

Tell that its sculptor well those passions read

Which yet survive, stamped on these lifeless things,

The hand that mocked them, and the heart that fed;

And on the pedestal, these words appear:

My name is Ozymandias, King of Kings;

Look on my Works, ye Mighty, and despair!

Nothing beside remains. Round the decay

Of that colossal Wreck, boundless and bare

The lone and level sands stretch far away.”

Quelle: Poetry Foundation

Übersetzung ins Deutsche: Sonett Archiv

Die darin beschriebene Szenerie kommt uns gruseligerweise sehr bekannt vor:  Eine einst starke und bedeutungsvolle Zivilisation wurde Opfer der Zerstörung durch Ozymandias (=Ramses II). Es bleiben nur noch Ruinen übrig, u.a. ein zerbrochener, halb versunkener Kopf. Rund herum nichts mehr übrig außer Verwüstung und Verzweiflung. Auf einem Podest sind die Worte eingraviert die David im Film zitiert:

Mein Name ist Ozymandias, König der Könige; erblicket meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt !

David scheint sich also sehr wohl bewusst zu sein, dass er die Zerstörung einer ganzen Zivilisation zu verantworten hat, und dass nur noch Ruinen und einsame Leere übrig sind. Gleichzeitig denkt er aber offensichtlich, er könne es damit rechtfertigen, dass er sich sozusagen als Rächer gegen die Mächtigen (= Götter / Engineers) erhoben habe und darin doch irgendwie ein Sinn für das ganze Grauen zu erkennen sei.

Er sieht sich selbst als das was in der Englischen Literatur als Byronic Hero = byron‘scher Held bekannt ist. Gemeint ist dabei eine bestimmte Art von Held bzw. Antiheld, der auf den Werken George Lord Byrons (1788-1824) basiert. Diese Art Held ist nicht von vornherein schön, gut und heroisch sondern ein Charakter der auch viele Eigenschaften besitzt die eigentlich eher negativ gelten. Er ist intelligent und verfolgt seine Ziele mit Hingabe, Fleiß und Geschick. Gleichzeitig ist er aber auch eigensinnig, zynisch, frustriert, hat eine dunkle Vorgeschichte und wirkt auf viele seiner Zeitgenossen weniger sympathisch.

Das bekannteste Werk Byrons, in dem der von ihm erschaffene Heldenarchetyp vorkommt, ist Childe Harolds Pilgrimage (1812). Ein weiterer typischer byron’scher Held der Literatur des 19. Jahrhunderts ist z.B. Heathcliffe aus Emily Brontes Roman  Wuthering Hights (1846). Aber auch in den heutigen Heldenfiguren aus Film und Fernsehen kann man diese Art von Helden durchaus sehr häufig vorfinden. Man denke nur an Figuren wie James Bond, Doctor House, Batman, Tony Stark, oder auch Han Solo. Alle diese Charaktere haben in gewisser Weise byronsche Heldenzüge, sie haben eine sehr vielschichtige Persönlichkeit die weder supergut noch superböse ist, sondern irgendetwas dazwischen.

Interessant wird in diesem Zusammenhang, dass David offensichtlich zwei Dinge zu vermischen scheint. Nämlich den byron’schen Helden und seine ins Übertriebene gesteigerte Form, den aufgrund seines Größenwahns gefallenen Helden. Obwohl er sich selbst als Held sieht, ist er bereits an der dunkelsten Stelle angekommen, die eine Figur mit den genannten Charaktereigenschaften erreichen kann. Er ist keine positiv gesehene Person mehr über deren schlechte Seiten man hinweg sehen könnte. David ist zu Mary Shelleys (1797-1851) Frankenstein geworden, der aus zunächst noch nachvollziehbaren Motiven schöpferisch tätig sein will und am Ende einsehen muss, dass er selbst ein Monster geworden  ist das andere Monster schafft.

Obwohl das im Film nicht wortwörtlich so gesagt wird, gibt es eine Aussage von Walter die ganz klar darauf hinweist. Walter berichtigt David dahingehend, dass das Gedicht Ozymandias nicht von George Lord Byron stammt, wie dieser es fälschlicherweise in Erinnerung hatte, sondern von Percy Bysshe Shelley. Er geht sogar noch weiter und führt David vor Augen, dass dessen ganzes Konstrukt zur Rechtfertigung seiner Taten mit diesem Fehler in sich zusammen fällt:

Walter: It’s Shelley not Byron, you see. One wrong note eventually ruins the entire symphony !

Schwachpunkte des Films

Schizophrenes Hybridmonstrum

Ich würde gerne wissen was Ridley Scott und die zahlreichen Autoren, welche am Drehbuch beteiligt waren, von meinen Interpretationen halten. Die IMDb listet ganze 6 Autoren auf, darunter John Logan (u.a. bekannt für Last Samurai und The Gladiator)  und Dante Harper (der eigentlich Production Manager ist und sich bei Alien : Covenant das erste Mal als Drehbuchator betätigte). Bei so vielen Köchen ist es nicht so verwunderlich, dass am Ende eine seltsam breiige Mischung als Alien und Prometheus, Bodyhorror und philosophischer Abhandlung über Gott und die Schöpfung heraus kommt, welche ähnlich wie der Android David zerrissen ist zwischen Heldendasein und Horrorschinken.

Statt den philosophischen Ansatz aus Prometheus konsequent weiter zu verfolgen, wird die durchaus sehr spannende Geschichte rund um David und seine Beziehung zu den Menschen, den Göttern und seinen eigenen Schöpfungsfantasien fast schon unangenehm durch die hineingepresste Actionhandlung mit einer größtmöglichen Menge neu gearteter Aliens auf dem Weg zur Form des bekannten Xenomorphs unterbrochen. Der Film ist weder Fisch noch Fleisch, weder Alien noch Prometheus, sondern eine seltsame Hybridmischung die auf mich so wirkt wie die kurze Aufnahme von Shaws totem, halb zum Alien mutiertem, ausgeweidetem Körper. Optisch cool gemacht, gruselig aber irgendwie auch bleich und seelenlos.

Zu viele Aliens, zu wenig menschliche Intelligenz

Anscheinend gab es schon im Vorfeld der Produktion des Films starken Druck diesmal mehr Aliens unter zu bringen, da das Fehlen der Xenomorphs angeblich  einer der Hauptkritikpunkte gewesen war, den das Studio 20th Century Fox für den mäßigen Erfolg von Prometheus an den Kinokassen verantwortlich gemacht hatte. Meiner Meinung nach wären es aber eher die unglaublich dummen Handlungsmotivationen der Nebencharaktere gewesen, welche einer unbedingten Änderung bedürften um sowohl Prometheus als auch Alien: Covenant besser zu machen.

Statt das ganze Geld für das Design der verschiedenen CGI Proto- und Neomorphs zu verpulfern, hätte auch jemand mal ein paar Stunden mehr dafür verwenden sollen sich bessere Gründe dafür auszudenken, dass einzelene Crewmitglieder sich von der Gruppe entfernen und dadurch eine perfekte Angriffsfläche für alieninfizierte Pflanzensporen und/oder ausgewachsene Aliens bieten.

Vielleicht wären die Aliens auch effektiver gewesen, wenn man sich auf 2-3 davon konzentriert hätte, die etwas realistische Geburts- und Weiterentwicklungszyklen haben und durch kurze, gut platzierte Auftritte wirken statt durch hastig abgearbeitete, zackig geschnittene Actionszenen.

Neben dem Problem mit den zu häufig eingesetzten Aliens leidet der Film aber auch noch massiv unter den viel zu vielen, wenig ausgearbeiteten Nebencharakteren. Außer Daniels und Tennesse, welche beide am Ende überleben dürfen, sind alle weiteren Crewmitglieder ziemlich dünn charakterisiert und austauschbar. Einige davon konnte ich nichtmal wirklich auseinander halten. Was aber auch nicht wirklich schlimm war, denn letzten Endes dienten sie alle nur als Alienfutter.

Den Preis für den dümmsten, selbstverschuldeten Tod erhält diesmal Captain Oram, welcher David in die Kellergewölbe folgt NACHDEM er diesen mit einem Protomorph-Alien interagieren gesehen und außerdem ein geköpftes Crewmitglied im selben Raum entdeckt hatte. Als Draufgabe scheint er David auch noch zu glauben, dass die Alieneier dort unten vollkommen ungefährlich sind. Natürlich geht man als Captain mit Führungsverantwortung in soeiner Situation dann auch ganz nahe ran …..

Fazit

Der Twist mit dem Rollentausch der beiden Androiden Walter und David war ebenso vorhersehbar wie die Tatsache, dass es mit dieser Episode natürlich noch kein Ende der Saga geben wird. Ich hätte mir gewünscht, dass die menschlichen Charaktere etwas ausgereifter wären statt nur als Alienfutter zu dienen, und die Auftritte der Aliens etwas besser mit der Rahmenhandlung rund um Davids Schaffenswut harmonieren. So bekam ich leider ein nicht ganz ausgereiftes Hybridprodukt  zu sehen, das mich etwas ratlos zurücklässt.

Während ich die philosophische Untermauerung und alles Szenen zwischen David und Walter großartig fand, enttäuschten mich die eher aufgesetzt pseudodramatisch wirkenden Aktionen der Aliens leider ziemlich. Ich vergebe für Alien : Covenant daher schleimige 3,5 von 5 Krokis, welche sich nur unter Verwendung ihrer luftdichten Atemmasken auf einen fremden Planeten wagen, dessen Flora und Fauna ihnen noch weitgehend unbekannt ist.

cropped-kroki.jpg  cropped-kroki.jpg  cropped-kroki.jpg  cropped-kroki.jpg    3,5 / 5

Quo vadis Alien / Prometheus ?

Ridley Scott hat bereits angekündigt, dass es mindestens eine weitere Fortsetzung namens Alien : Awakenig geben wird, in der wir erfahren was David mit den Kolonisten und menschlichen Embryos auf der Covenant weiter anstellen wird.

Interessanter Weise beruhte schon  der Titel des vorangehenden Alien Semi-Prequels Prometheus auf einem gleichnamigen Gedicht von George Lord Byron. Der Held, welcher der Menschheit das Licht in Form wissenschaftlicher Aufklärung gebracht hat, ist in Alien : Covenant zu Mary Shelleys Frankenstein mutiert, der die wissenschaft bis aufs Äußerste verbiegt und grausiges Verderben mit sich bringt. Wenn wir der Dramaturgie weiter folgen, ergibt das folgende mögliche Weiterentwicklungen:

David könnte sich entweder weiter als wahnsinniger Wissenschaftler betätigen, der am Ende von seiner eigenen Kration (= den Xenomorphs) getötet wird, oder aber er erfährt eine Art von Läuterung und wird auf seiner eigenen „Pilgerreise“ am Ende noch zum Helden, der sich entschließt die Menschheit doch nicht auszurotten, sondern ein weiteres mit Xenomorpheiern bestücktes Engineerraumschiff auf dem Planeten bruchlandet auf dem es im Film Alien (1979) von der Crew der Nostromo gefunden wird und die daraus bekannten Ereignisse auslöst.

Wenn auch die Allegorien auf die Werke der bedeutendsten Dichter englischer Romantik  erhalten bleiben, so müsste als nächstes Bezug auf Gedichte von John Keats (1795-1821) genommen werden. Auch hier finden sich einige Phrasen und Themen wieder, die wie die Faust aufs Auge zu Davids psychischer Verfassung passen.

In der Ballade La Belle Dame sans Merci geht es z. B. um einen Ritter welcher alleine und schwach auf hoher See umhersegelt und gefragt wird warum er so abgezehrt und schmerzensbleich dahinvegetiert. Er erzählt, dass er einst eine Frau geliebt habe – die schöne Frau ohne Mitleid – eine Art Fabelwesen das ihn in seinem Bann gehalten habe, solange bis er einschlief und alles um ihn herum den Bach runter ging. Als er aufwachte blieb ihm nichts anderes mehr übrig als auf ewig weiter alleine und schwach umher zu segeln….

Es wäre also möglich, dass es Daniels gelingt David irgendwie um den Finger zu wickeln, indem sie so tut als würde sie ihn verstehen und ihm Honig ums Maul schmiert. Sobald er ihr vertraut, können sie und andere überlebende Crewmitglieder (z.B. Tennessee) David durch eine List in einen der Kryoschlafpods verfrachten oder ihn sogar schlafend auf den Pilotensessel eines Enginner-Raumschiffes verfrachten (falls sie eines solchen habhaftig werden). Das Engineer-Raumschiff crashlandet. David bemerkt, dass er einen Chestburster intus hat (den er sich ebenfalls durch eine List der Covenant-Überlebenden einfangen könnte) und stirbt schließlich in der Pose in der die Crew der Nostromo ihn im Film Alien (1979) vorfindet.

Eine andere skurrile Theorie habe ich im Zusammenhang mit dem James Franco Captain, welcher gleich am Beginn von Alien : Covenant das Zeitliche segnete und dessen Körper anschließend per Torpedoschuss ins All bestattet wurde. Auf einem der zahlreichen Promobilder ist die gesamte Crew inkl. James Franco zu sehen. Sie stehen nebeneinander aufgereiht um einen Tisch herum, Franco mit einer Decke um die Schultern in der Mitte. Für mich sieht das  frappant nach Da Vincis Gemälde  Das letzte Abendmahl aus !

Alien Covenant Promo Picture
Alien Covenant Promo Picture (20th Century Fox)

Wenn wir der Jesus-Allegorie folgen, würde das bedeuten dass der Franco Captain von den Göttern (= Engineers) wiederbelebt werden könnte und David damit konfrontiert wird, dass die wahren Götter stärker sind als er, und außerdem nicht sehr erfreut darüber dass er versucht in ihrer Liga mit zu mischen.

Wie auch immer Ridley Scott und seine Autoren sich entscheiden, wir ZuseherInnen werden sicher unseren Spaß daran haben das Franchise weiter zu verfolgen, zu kritisieren und darüber zu spekulieren was das Zeug hält. In diesem Sinne hat Alien : Covenant durchaus dazu beigetragen die Filmreihe am Leben zu erhalten und dafür zu sorgen, dass sich auch zukünftig genug Liebhaber der Alien – Geschichten in den Kinos einfinden werden um diese auch finanziell erfolgreich zu halten.

Wie hat euch dieser Film gefallen ? Top oder Flop ?

Was sind eure Theorien darüber wie es in Alien : Awakening wohl weiter gehen wird ?

Eure Infos, Fragen und Antworten könnt ihr wie immer in den Kommentaren posten.

Über Rückmeldung freue ich mich immer !

5 Gedanken zu „Alien : Covenant (2017) – Heldenepos vs. Frankensteins Monster

  1. Sehr interessanter und ausführlicher Text! Leider hat mir der Film nahezu überhaupt nicht gefallen, obwohl er visuell natürlich (wieder mal) sehr beeindruckend ist. Aber Ridley Scott, den ich an sich sehr mag, scheint sich immer weiter in seine Idee zu verennen, aus „Alien“ eine anspruchsvollere Marke zu machen. An sich nehme ich jeden cleveren Sci-Fi Film mit Kusshand, aber was Scott mit interessanten Ansätzen aufbaut reißt er auch gleich wieder mit dummen Charakteren, vorhersehbaren Wendungen und hanebüchenen Handlungen der Figuren wieder ein.

    Ich fand „Alien: Covenant“ nicht furchtbar, sondern eher belanglos und er war mir im Endeffekt egal. Und das finde ich fast schon schlimmer.

    Gefällt 2 Personen

    1. Da gebe ich habe dir Recht. Wenn die Figuren so dumme Handlungen setzen ist es schwer sich mit ihnen zu identifizieren oder auch nur Mitleid zu haben wenn sie von Aliens getötet werden wie am Fließband.
      Ich denke dass der Film durchaus Potential hatte, die Umsetzung wurde dem leider nicht gerecht.

      Gefällt 1 Person

  2. Sehr, sehr schöne und ausführliche Review, habe sie mit Freuden gelesen. Und ja, auch mir ging es leider wie thegunslingersite, wobei ich während des Films echt genervt war. So sehr, dass ich dem Film sogar den „Byron Fehler“ vor der finalen Aufklärung voll umfänglich als derben faux pas zugetraut habe. Es stimmt mich traurig zu sehen, wie Ridley Scott seine eigene Legende langsam ruiniert.
    Übrigens fand ich die deutsche Übersetzung des Gedichtes sehr schön. Sie klang lyrischer als jene auf Wikipedia. Weiß jemand, ob diese extra für den Film neu übersetzt wurde oder vom wem sie stammt?

    Gefällt 1 Person

    1. Hmm, gute Frage. Spontan würde ich meinen, dass für die Synchro auch ein bereits existietender Text der Übersetzung hergenommen wird und nicht vollkommen neu übersetzt. Genau weiß ich das aber auch nicht…

      Ridley Scott leidet auf deine alten Tage offenbar auch an der Hollywood-Selbstübetschätzungs-Krankheit. Er hat offenbar auch wenig Leute um sich die ihm das schonend beibringen könnten.

      Gefällt mir

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