Star Trek Discovery Staffel 2 Episoden 5 bis 8 – endlich Spock gefunden

Die Zeit vergeht wie im Flug und ehe Frau sich versieht, ist schon wieder eine ganze Staffel ST-DISCO vorbei gezogen. Ich war sehr positiv überrascht wie unterhaltsam und spannend sich der Storyarc rund um die Red Angels und Spocks mysteriöse Irrsinnsanfälle entwickelte. Um diesen Beitrag nicht allzu lang werden zu lassen, teile ich meinen Senf zu den Folgen in zwei Beiträge auf. In diesem Text gehe ich näher auf die Folgen 5-8 ein. Später folgt dann der zweite Beitrag mit den restlichen Episoden.

Vorsicht Spoiler !

Folge 5 – Saints of Imperfection 

Diese Episode war für mich die bisher beste im Hinblick auf die Zusammenführung mehrerer Storyarcs und optisch hervorragende Umsetzung einer Alienwelt in Mitten des Mycelial Network

Sogar Fähnrich Tilly (Mary Wiseman) , die mir sonst eigentlich immer irgendwie mit ihrer Naivität und unangebrachter Hibbeligkeit auf den Wecker geht, fand ich in dieser Folge ganz sympathisch, weil sie weniger Zeit damit verbringen musste der Crew der Discovery peinlich zu sein und mehr damit beschäftigt war mit den Gegebenheiten in dieser nicht gerade menschenfreundlichen Umgebung zurecht zu kommen. 

Weiters fand ich es sehr passend, dass das Wesen, welches zum Zweck der besseren  Kommunikation mit Tilly ja schon länger die Gestalt einer alten Schulkollegin angenommen hatte, auch weiterhin so richtig alienmäßig agierte (also mit einer eigenen Logik, Sichtweise auf die Welt und teilweisem Unverständnis darüber wie wir Menschen denken)  und einige Missverständnisse dadurch hervorgerufen wurden, dass das Alien sich auf seine Weise eigentlich durch das Eindringen der Menschen in das Netzwerk bedroht sehen musste. 

Das fragile Gleichgewicht dieser Umwelt war offenbar die ganze Zeit schon immer wieder heftig durcheinander geraten, ohne dass irgendwer auf der Discovery auch nur einen Schimmer davon hatte, dass ihre Reisen durch das Netzwerk dort ernsthafte Schäden hinterließen. Die Menschheit hat offensichtlich aus zahlreichen historischen Erfahrungen mit anderen Alienbegegnungen und fremden neuen Welten nichts gelernt. 

Ich frage mich, warum es im Föderationsregularium eigentlich keine ökologische Variante der Nicht-Einmischungs-Direktive gibt. Oder zumindest eine Verfahrensanweisung zu Erstkontakten mit Alienwelten, in der im Sinne einer Risikoanalyse auch die Gefahren einer unabsichtlichen Beeinflussung außerirdischer Ökosysteme mitbedacht werden.

Dass der reinkarnierte Dr. Culber (Wilson Cruz) von den Ureinwohnern des Mycelial Networks, deren Welt durch die ständige Anwesenheit der Menschen in Gefahr geraten ist, für einen bis aufs Blut zu verfolgenden Feind gehalten wurde, ist durchaus nachvollziehbar. Allerdings habe ich bis heute nicht verstanden wie der Effekt funktioniert durch den sein Geist nach dem Tod in das Netzwerk transferiert werden konnte.

Quantenphysik muss wiedermal als Erklärung für alles nicht erklärbare her halten. Irgendwie hätte ich persönlich eine besser verständliche Informationskette erwartet bzw. auch weiterhin gut ohne die Wiederauferstehung der Figur leben können. 

Es bleibt zu hoffen, dass die Geschichte rund um Culber und Stammets noch irgendwohin führt, wo es spannend wird. Im Moment sehe ich das leider noch nicht wirklich. 

Folge 6 – The Sound of Thunder 

Der Fokus dieser Episode lag auf Saru (Doug Jones), seinem Heimatplaneten und seiner Schwester Siranna (Hannah Spear) , die er vor Jahren bei seiner Flucht vor der Oppression der Alienspezies Ba`ul alleine zurück gelassen hatte. 

Optisch sind die Ba’ul  herrlich gruselig und auch tontechnisch fand ich ihre verzerrten Stimmen sehr eindrucksvoll unheilverheißend. Der Effekt des Auferstehen aus einer Art schwarzer Flüssigkeit erinnert sowohl an Armus (die teerartige Kreatur von der Lieutenant Tasha Yar in der TNG Episode Skin of Evil (1988) getötet worden war) als auch an die Formwandler des Dominions aus Deep Space Nine. Diese weniger als unterschwelligen Verweise auf vergangene Aliengegner störten mich nicht. Ich fand sie sogar sehr passend und kreativ umgesetzt. 

Dass sich die Nicht-Einmischungs-Direktive aber schon wieder so einfach biegen und ignorieren lässt, dass es zwischen Discovery und den Ba’ul fast zu einem Krieg um den Planeten kommt,  finde ich langsam schon mehr als haarsträubend. Ich frage mich, warum es diese Direktive überhaupt gibt, wenn es eh so gut wie keine föderationsrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht sie nicht zu befolgen. 

Nach  Ende der Folge fragt keiner mehr danach wie es nun mit den Kelpianern und Ba’ul weiter gehen wird. Weder Captain Pike noch Saru noch irgendjemand anders muss sich in irgendeiner Weise bei seinen hierarchisch höhenstehenden Vorgesetzten rechtfertigen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Vorfall überhaupt aktenkundig wurde.

Ebenfalls ein wenig aufgesetzt fand ich das Erscheinen des Red Angels als Deus Ex Machina, der die Krisensituation quasi im Alleingang beendet. Ging irgendwie bisschen schnell. Naja, zumindest erfahren wir so ganz nebenbei, dass das Sehvermögen der Kelpianer auf ein breiteres Spektrum zugreifen kann als das der Menschen. So kommen wir auch zu der Erkenntnis, dass der Red Angel anscheinend ein Humanoid im Biotech-Anzug ist. Wie praktisch.

Folge 7 – Light and Shadows

Ich hatte in meinem Text zu den Folgen 1-4 ja schon die Befürchtung geäußert man könne einen auf Star Wars – The Force Awakens machen und Spock wirklich erst ganz am Ende der letzten Folge dieser Staffel auftreten lassen. Zum Glück ist das nicht so. 

In dieser Folge macht Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) sich auf nach Vulcan, da sie ahnt, dass einige Geheimnisse aus ihrer gemeinsamen Kindheit der Schlüssel zur Auflärung seines derzeitigen Aufenthaltsortes sind. 

Die Story fand ich ganz ok, war aber nicht wirklich so komplett fasziniert davon. Michael Burnham ist noch immer eine meiner Lieblingsfiguren der Serie und Ethan Peck gibt als „Hipster“ Spock mit Bart und etwas angeschlagenem Logik – Geist  eine ganz passable Vorstellung. 

Ich bin aber leider ganz und gar kein Fan der aktuellen Inkarnation von Amanda (Mia Kirshner). Irgendwie erscheint sie mir als Mutter etwas zu jung, vor allem wenn wir sie mit der deutlich älteren Amanda aus der TOS Folge Journey to Babel vergleichen. Außerdem kommt sie meiner Meinung nach in den emotionalen Momenten oft unsympathisch rüber. 

Ich kann es nicht genau festmachen, aber irgendwie wirkt sie auf mich nicht authentisch. So als würde sie nicht immer das sagen was sie sich denkt und auch nicht das fühlen von dem sie sagt, dass sie es fühlt.

Vor allem Michael Burnham gegenüber scheint immer, sobald der Konflikt zwischen ihr und Spock zur Sprache kommt, trotz nett bis neutral formulierten Worten eine unausgesprochene Ablehnung mit zu schwingen. Ob das so gewollt ist ? Oder kommt das nur mir so vor ? Ich finde es jedenfalls nich sehr sympathisch und werde daher, wie schon gesagt, mit dieser Version der Figur nicht so wirklich warm.

Folge 8 – If Memory serves

Interessanter Folgenbeginn. In einer Rückblende sehen wir kurze Ausschnitte aus The Cage – dem ziemlich in die Hose gegangenen ersten Pilotfilm zur Original TV-Serie aus den 1960ern. Offensichtlich gehen die Macher von DISCO davon aus, dass alle Zuschauer die alte Serie kennen und es ihnen nicht allzu störend vorkommt, wenn Spock und Captain Pike kurz mal aussehen wie Leonard Nimoy und Jeffrey Hunter, danach dann wieder wie Ethan Peck und Anson Mount.

Nettes Fanservice, solange man/frau die Referenzen auf Pikes Schicksal in der Originalserie versteht. Für alle anderen wahrscheinlich ein Grund mehr es sich in zahlreichen Diskussionsforen und YouTube Videos erklären zu lassen.

Dass Spock durch die Talosianer von seiner Geistesverwirrung geheilt werden kann, ist auch gut. Wäre sehr schade gewesen, wenn er sich davon nicht wieder erholt hätt. Oh, warte mal, das war ja überhaupt nicht vorhersehbar, oder ??

Interessant finde ich, dass die Talosianer ihre Gedankenprojektionen offenbar auch weit über ihren Planeten hinaus broadcasten können. Lustig war auch die schulterzuckende Nebenbemerkung von Captain Georgiou (Michelle Yeoh) die Talosianer im Spiegeluniversum hätten auch versucht das gegen sie anzuwenden – habe ihnen nur nichts genutzt.

Melissa George als moderne Version von Captain Pikes Love Interest Vina fand ich auch ganz gut gelungen. Optisch sah sie der Original Vina aus den 1960ern sehr ähnlich. Ihr Wesen wurde zum Glück aber an die Sehgewohnheiten des 21. Jahrhunderts angepasst. Sie kommt weit weniger naiv und manipulierbar rüber als die alte Vina. 

Dennoch finde ich die Love Story zwischen ihr und Pike nicht besonders überzeugend. Wenn er sich die ganze Zeit wirklich so sehr nach ihr sehnt, hätte er doch längst irgendeinen Weg finden  können, um zwischendurch heimlich mit ihr zu kommunizieren, ohne das irgendjemand in Starfleet es mitbekommt.

Statt dessen wartet er anscheinend träumend und schmachtend auf eine gute Gelegenheit, bis er nach seinem zukünftigen Arbeitsunfall entstellt und bewegungsunfähig wird, und lässt sich erst dann von Spock und Kirk n einer Nacht und Nebel Aktion zurück auf den Planeten Talos bringen ? Finde ich schon irgendwie seltsam.

Was nach dieser Geschichte allerdings mehr Sinn macht, ist Spocks Motivation dafür, dass er für eben diese Aktion später sogar das Risiko eingehen wird seine eigene Karriere aufs Spiel zu setzten. 

Weitaus interssanter als die Pseudo-Love-Story zwischen Pike und Vina ist auf jeden Fall die Nebenhandlung mit den verschwörerischen Tätigkeiten der Geheimorganisation Section 31 und die Einführung des Computerprogramms Control als neuem Hauptgegenspieler, der etwas irre geworden ist und für die zukünftige Vernichtung allen Lebens im gesamten Universums verantwortlich scheint.

Ja, es erinnert wohl nicht nur mich sehr stark an Skynet, das Verteidigungssystem der Erde, welches in den Terminator Filmen für allerlei böse Machenschaften, inklusive nukleare Kriegsführung und Vernichtung der Menschheit, verantwortlich zeichnet.

Ganz ehrlich, aber dass uns nach etlichen verschiedenen Star Trek Serien und Filmen jetzt auf einmal weiß gemacht wird, dass für strategische Entscheidungsfindungen von Starfleet ein Computerprogramm verantwortlich ist, welches mit irgendwelchen Super-Algorithmen die Gewinnchancen der jeweiligen Entscheidungen voraus berechnet, erscheint mir doch ein bisschen an den Haaren herbei gezogen.

Ich halte es da ganz wie Captain Georgiou aus dem Spiegeluniversum:

Where I come from, the artificial intelligence was taking orders from me, not the other way round !

Fazit

Spannender Story Arc rund um den Red Angel. Tilly war mir in der Folge, in der sie im Mycelial Network für Umweltschutz zuständig ist, schon fast sympathisch. Der Hipster Spock ist sympathischer als gedacht und auch Captain Pike finde ich nach wie vor sehr interessant.

Den Fanservice mit dem Material vom ursprünglichen TV Pilotfilm aus den 1960ern fand ich auch durchaus unterhaltsam. Nur leider ist die Story mit der irre gewordenen künstlichen Intelligenz nicht ganz neu und so haarsträubend offensichtlich von Terminator abgekupfert, dass es hierfür leider Punktabzug geben muss.

Alles in allem ist meine persönliche Wertung aber noch immer ein

glückliches Kroki

Die Theorien über den weiteren Verlauf der Staffel entfallen an dieser Stelle, da ich wie gesagt schon alle Folgen gesehen habe.

Meine Gedanken zu den Folgen 1-4 könnt ihr hier nachlesen.

Der Artikel zu den restlichen Folgen und dem 2-teiligen Finale erscheint in Kürze.

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