Westworld S01 E03: The Stray – Review

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Who the f… is Arnold ?    (Vorsicht Spolier !)

Westworld allgemein

Wir lernen, dass Menschen in einer Schießerei zwar nicht getötet werden können, sehr wohl aber blaue Flecken davontragen, wenn sie von einer Kugel getroffen werden. Wie es funktionieren soll, dass Kugeln die mit ein und derselben Waffe abgefeuert werden bei Menschen und Hosts unterschiedliche Effekte haben (kleine Flecken vs Tod), wird nicht erklärt. Es liegt aber nahe, dass die Information für spätere Ereignisse innerhalb der Serie wichtig ist.

Als Dolores versucht sich von Teddy beibringen zu lassen wie man schießt, erfahren wir, dass es ihr in der Rolle der „Damsel in distress“ nicht möglich ist eine Kugel abzufeuern. Dies ist anscheinend eine weitere Sicherheitsvorkehrung, welche dazu dient ihre Möglichkeiten Einfluss auf den Verlauf einer Storyline zu nehmen einzuschränken. Aufgehoben wird dies Sperre erst wenn sich ihre Rolle ändert.

Auch für andere potentiell gefährliche Geräte, wie z.B. Äxte oder Dinge mit denen man Feuer machen kann, gibt es in der Programmierung der Hosts verschiedene Waffen-Privilegien, damit nur einige Authorisierte diese verwenden können.

Weiters erfahren wir, dass es ein Führungsgremium gibt, welches von Mrs. Cullen nur als „The Board“ bezeichnet wird. Dieses Gremium wird von Mrs. Cullen über alle Vorkommnisse im Park unterrichtet und hat angeblich nicht viel Freude an der Information, dass sich einige Hosts nach dem neu implementierten Update nicht mehr so benehmen wie es sein sollte.

Hosts

Bernard (Jeffrey Wright) hält weitere geheime Gespräche mit dem host Dolores (Evan Rachel Wood) und gibt ihr das Buch Alice im Wunderland zu lesen.“I guess people like to read about the things they want the most and experience the least.“ In einer Schublade in ihrem Farmhaus entdeckt diese im Anschluss eine Pistole, die vorher offensichtlich noch nicht da war.

Im Saloon trifft Teddy (James Marsden) auf die Bardame Maeve (Thandie Newton), die sich bei seinem Anblick daran erinnert, dass sie ihn in Folge 2 im Technikbereich hinter den Kulissen gesehen hat, als sie unabsichtlich während einer Generalüberholung dort aufgewacht war.

Dolores deutet Teddy gegenüber an, dass sie sich verändert und mehr von der Welt sehen möchte. Dieser scheint so programmiert zu sein, dass er sie dazu bringen soll auf ihn zu warten und sich nicht zu weit von der Farm bzw. der Stadt zu entfernen. Schön langsam dämmert es Dolores, dass seine Floskeln nur dazu dienen sie daran zu hindern sich in andere Storylines einzumischen.

Passend zu dieser Unterhaltung folgt eine Szene in der Dr. Ford (Anthony Hopkins), als Vorbereitung für seine neue Storyline, ein Update für Teddy einspielt, welches ihm eine Backstory für seine mysteriösen, für Dolores nicht mehr verständlichen Abwesenheiten aus der Stadt gibt. Ein Ex-Seargent der Armee namens Wyatt, der angeblich behauptete die Stimme Gottes hören zu können, wird als neuer Widersacher genannt.

Dolores gerät während des Überfalls auf das Farmhaus in Panik, erinnert sich an frühere Szenen in denen sie angeschossen und / oder getötet worden war, erschießt einen der Angreifer und flieht schließlich das erste Mal erfolgreich von dort.

Besucher

William (Jimmi Simpson) wird in seine erste Schießerei verwickelt und rettet eine der Bardamen, die sich dafür auf ihre Art erkenntlich zeigen möchte. Doch William lehnt dankend ab, mit Hinweis darauf, dass er anderswo schon ein Mädchen habe (in der realen Welt ist er mit Logans Schwester verheiratet). Als Dolores jedoch am Ende der Folge vollkommen fertig von ihrer Flucht am Lager von Logan und William auftaucht, scheint er dieser jedoch sehr zugetan zu sein.

Mitarbeiter von Westworld

Elsie Hughes (Shannon Woodward) ist damit betraut die ungewöhnlichen Host-Ausfälle zu untersuchen und stößt dabei auf ein Überwachungsvideo das einen der defekten Hosts zeigt, der sich ziemlich lange mit einer imaginären Person namens Arnold zu unterhalten scheint.

Gemeinsam mit dem Securitymann Ashley Stubbs (Luke Hemsworth) macht sie sich anschließend auf die Suche nach einem weiteren Host, der von seiner eigentlichen Storyline abgewichen ist und nun alleine durch die Pampa streunt. Stubbs ist lieber auf der sicheren Seite unterwegs und bringt stets seine eigene Waffe zur Verteidigung mit, da er den Sicherheitseinrichtungen im Park und der Programmierung der Hosts nicht ganz traut. „The only thing that keeps the hosts from hacking us to pieces is just one line of your code“.

Auf ihrem Erkundungstrip kommen sie zu einem Camp in dem einige verwirrte Hosts in einer Endlosschleife gefangen sind und sich nicht mehr rühren. In einem Zelt entdeckt Elsie eine Schnitzerei, die offenbar von einem der Hosts angefertigt wurde. Sie scheint das Sternbild Orion zu zeigen. Warum der Host dies geschnitzt hat und was es bedeutet, ist zu diesem Zeitpunkt nicht aufzuklären.

Den streunenden Host finden sie schließlich in einer Erdspalte aus der er sich selbst nicht mehr befreien kann. Als Stubbs hinunter klettert um den Host auszuschalten und nach oben zu transportieren, reißt dieser sich los und bahnt sich alleine seinen Weg nach oben. Aber anstatt, wie erwartet, Elsie zu attackieren, begeht er Selbstmord indem er sich mit einem großen Stein den Schädel einschlägt.

Zeitgleich erfahren wir in einer Szene zwischen Dr. Ford und einem neuen Angestellten, wie es um Fords Einstellung den Hosts und ihrer Intimsphäre gegenüber bestellt ist. Der neue Angestellte wird angepflaumt, weil er einen Host den er gerade bearbeitet mit einer Decke zugedeckt hat. Ford rügt ihn er solle die Hosts nicht als Individuen wahrnehmen. Sie fühlten weder Kälte noch sonst irgendetwas, solange es Ihnen nicht so einprogrammiert worden sei.

Arnold

Die wichtigste neue Information dieser Folge ist aber jene über einen früheren Mitbegründer / Designer von Westworld. Von Bernard darauf angesprochen, dass einige Hosts mit einem imaginären Arnold reden würden, erzählt Ford ihm, dass er und Arnold die Hosts gemeinsam kreierten, sich ihre Ansichten über deren Natur aber sehr unterschiedlich entwickelten.

Arnold sei es nicht genug gewesen, dass die Hosts den Turing-Test bestanden (als Beweis dafür, dass ein außenstehender Betrachter sie für echt halten kann), sondern er wollte echtes Bewußtsein schaffen. Ein paar große Schritte dahin hatte er schon gemeistert (die Hosts beherrschten Erinnerung, Improvisation und Eigeninteresse), doch der letzte Schritt zum Bewußtsein fehlte.

Arnold wollte eine Weiterentwicklung der Hosts dadurch in Gang bringen, dass er ihnen eine göttliche Stimme eingeben wollte, mit der sie sich quasi selbst unterhalten und so zu tieferen Einsichten über sich selbst kommen sollten. Ford sei jedoch immer dagegen gewesen, da die andere Seite der Medaille in den Wahnsinn getriebene Hosts seien und für Androiden mit Bewußtsein in Westworld sowieso kein Platz sei. Am Ende habe Arnold nur mehr mit den Hosts gesprochen. Laut Fords Angaben starb er schließlich irgendwo im Park und sein Name wurde aus den Archiven gelöscht.

Fords Warnung an Bernard klingt wie eine dunkle Vorschau auf die Probleme, welche vermutlich aufgrund der falschen Einschätzung der Lage in den nächsten Folgen auf Westworld zukommen werden: „Don’t make Arnolds mistake again. The hosts aren’t real. They are not conscious“.

Fazit:

Nachdem wir in den ersten beiden Folgen sehr viele unterschiedliche Charaktere und Konzepte gleichzeitig kennen gelernt haben, und es fast schon anstrengend war den jeweiligen Handlungssträngen aufmerksam mit zu folgen, gibt uns diese Folge etwas mehr Raum um einmal tief durch zu atmen und etwas mehr Zeit mit einzelnen Figuren zu verbringen.

Besonderes Highlight ist der lange Dialog zwischen Ford und Bernard, in dem wir von Arnolds Existenz erfahren. Die Geschichte, die Ford uns erzählt, klingt plausibel. Trotzdem habe ich das Gefühl dass da irgendetwas nicht stimmt bzw. noch einige Details dazu kommen werden, die Arnold in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Fords eigene Motive werden durch das was er über Arnold sagt noch unklarer und mysteriöser. Einerseits behauptet er mit Arnolds Suche nach einer Möglichkeit den Hosts Bewußtsein zu geben nicht einverstanden gewesen sein. Andererseits scheint Ford selbst die an Erinnerungen gebundenen Reveries in das Update geschmuggelt zu haben, welche nun zur Folge haben, dass einige Hosts sich verändern und unabhängiger von ihrer Ursprungsprogrammierung agieren.

Sehr gelungen finde ich auch die über die ganze Folge verteilten Hinweise darauf was eine gute Geschichte bzw. in diesem Fall eine gute Storyline / ein gutes Drehbuch ausmacht: Charaktere mit einer glaubwürdigen Backstory als Hintergrund für ihre Denk- und Verhaltensweisen. So wird z.B. auch aus dem doch eher eindimensional gestrickten Host Teddy soetwas wie ein Charakter, der nicht mehr nur als Pistolenfutter dient sondern einen Grund hat warum es sich zu kämpfen lohnt.

Interessant ist, dass Bernard in seiner Unterhaltung mit Dolores gegen Ende der Folge davon spricht, dass ein Großteil der evolutionären Entwicklung auf Fehlern beruht und man beobachten müssen wohin diese Fehler führen.

Fragen die sich aus dieser Folge ergeben:

Was bedeutet die Schnitzerei des Sternbilds Orion? Warum hat einer der Hosts diese angefertigt ?

Warum hat der streunende Host sich selbst mit einem Stein den Schädel eingeschlagen? Wollte er etwas verbergen bzw. verhindern, dass Elsie und Stubbs darin etwas finden was sie nicht sehen sollten?

In wie weit entwickeln sich die Hosts selbständig durch Fehler im Programm weiter und in wie weit wird darauf von außen Einfluss genommen ?

Haben Fords unklare Motive etwas damit zu tun was das Führungsgremium „The Board“ bezweckt, oder unterminiert er diese ?

Was verschweigt uns Ford alles über Arnold und kann man seinen Ausführungen überhaupt trauen ?

In wie weit wird sich die Fantheorie erfüllen, dass Arnold eventuell noch am Leben ist und irgendwo im Park aufhält oder sein Bewußtsein in einen der Hosts transferiert hat ?

Eure Eindrücke, Fragen oder Antworten könnt ihr in den Kommentaren posten.

Über Rückmeldung freue ich mich immer !