Westworld S01 E04 : Dissonance Theory – Review

Dem einen sein Gott ist dem anderen sein Alien (Vorsicht Spoiler!)

Hosts

Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton) haben das gleiche Problem, entwickeln aber unterschiedliche Erklärungen und Methoden damit umzugehen: Beide können sich zunehmend an vergangene Ereignisse erinnern, die eigentlich aus ihrem Gedächtnis gelöscht sein sollten.

Maeve erinnert sich besonders daran wie die Personen ausgesehen haben, die gerade über sie gebeugt waren als sie in Folge 2 im Technikbereich unabsichtlich während einer Generalüberholung aufwachte. Sie reagiert ähnlich wie wir es von den Erzählungen angeblicher Opfer einer Entführung durch Aliens kennen. Die Figuren wirken auf sie bedrohlich, untersuchen sie auf einer Art Operationstisch und sie weiß nicht wie sie dort hin kam oder anschließend wieder zurück in ihr Bett. Sie fertigt eine Zeichnung an, die ebenfalls an eine typische Alienzeichnung erinnert, und den Schutzanzug darstellt, den die Männer während ihrer Operation trugen.

Dolores scheint sich auch daran zu erinnern mit einer oder mehreren Stimmen von Außen gesprochen zu haben. Für sie stellt sich das Ganze aber mehr so dar als habe sie eine Art göttliche Erscheinung gehabt. In einem ihrer geheimen Gespräche mit Bernard wird sie von diesem gefragt ob er die Erinnerung an ihre getötete Familie und das Trauma löschen soll, um ihr den Schmerz zu ersparen der damit zusammen hängt. Sie verneint dies jedoch und meint, dass das ihre einzige an sie ist und ihr mehr Möglichkeiten öffnet zur Veränderung.

Bernard fragt sie schließlich ob sie statt dessen an einem Spiel mit namens Labyrinth teilnehmen will. Das Ziel sei es das Zentrum zu erreichen. Vielleicht erwarte sie am Ende ja die Freiheit.

Es wird klar, dass auch andere Hosts eine Idee von den seltsam maskierten Fremden zu haben scheinen. Wir sehen z.B. ein Indianerkind, das eine Puppe mit sich trägt, die genau so aussieht wie ein Mensch im Schutzanzug.

Die Frage ob es sich dabei um eine absichtliche Entwicklung handelt, die etwas mit Fords neuer Storyline zu tun hat, oder um eine unabsichtliche Folge diverser Glitches, wird zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantwortet.

Am Ende entschließt sie sich zu einer drastischen Maßnahme: Unter Zuhilfenahme der Dienste von Hector Escaton (Rodrigo Santoro), der im Zuge eines Überfalls in den Saloon kommt und von Maeve im Gegenzug die Safekombination erhält, will sie eine eindeutige Bestätigung ihrer Theorie haben, dass sie angeschossen und anschließend irgendwo wieder zugenäht wurde, ohne dass äußerliche Zeichen / Narben dafür vorhanden sind. In ihrem Bauch, den Hector auf ihr geheiß mit einem Messer aufschneidet,  findet sich das Fragment einer Pistolenkugel. Maeve zieht daraus den richtigen Schluß: es ist egal ob sie im Kugelhagel getötet wird oder nicht. Sie wird sehr wahrscheinlich bald wieder zurück kommen.

Man in Black

Nachdem er in Folge 3 nicht viel zu tun hatte, sehen wir in Folge 4 wieder ein bisschen mehr von ihm und fragen uns, wie zum Geier er eigentlich zu seinen doch sehr spezifischen Insiderinformationen über Westworld und seine Funktionsweisen kommt (u.a. weiß er um die Existenz von Arnold), andererseits aber nicht weiß wo sich das Labyrinth befindet oder was genau sich in dessen Mitte auf ihn wartet. Jedenfalls betont er mehrmals wie wichtig es für ihn ist endlich zu sehen wie das Ende der Geschichte aussieht.

Viele Fans sehen ihn daher als einen Charakter der die Natur des Fan-Seins sowie des Gamers / Videospiele-Freaks verkörpert, dem es nicht nur wichtig ist das Spiel zu spielen, sondern alle Level inkl. der Easter Eggs und geheimen Szenarien fertig zu spielen und zu sehen was am Ende als Belohnung wartet.

Auf seinem Weg schließt er sich zusammen mit Lawrence (Clifton Collins Jr.) einem weiblichen Host namens Armitrice (Ingrid Bolso Berdal) mit einem über den ganzen Körper reichenden Schlagentattoo an, da die kryptischen Anweisungen zum Eingang des Labyrinths u.a. auch einen Schlangenkopf erwähnten. Dies führt ihn zu einer 2-Mann Gefängnisausbruchsaktion, in der gemeinsam mit Lawrence er einen Gefangenen namens Hector (ja, es ist der Hector den ich im Zusammenhang mit Maeve schon erwähnte) befreit. Im Gegenzug bekommt er von Armitrice den Hinweis, dass ihr Tattoo mit einem Kindheitstrauma in Zusammenhang steht und sie alle beteiligten Gangster bereits getötet hat, nur nicht den Kopf der Schlange – Wyatt.

Besucher

William (Jimmi Simpson) ist zunehmend von Dolores angetan und scheint nun auch allgemein mehr Gefallen an seinem Aufenthalt in Westworld zu finden. Wäre da nicht sein mitreisender Schwager Logan (Ben Barnes), der ihm nicht nur mit seiner arroganten Art mächtig auf die Nerven geht, sondern auch versucht William von seinem derzeitigen Weg abzubringen, Dolores dabei zu helfen Teddy (James Marsden) wieder zu finden indem sie sich auf die Suche nach dem Gangster Wyatt machen.

Statt dessen erschießt Logan den Sheriff mit dem sie reiten und bringt alle dazu eine andere Storyline zu verfolgen, welche sie zu einem Mann namens El Lazo führen soll, der angeblich die beste Geschichte des Parks mit der tollsten Belohnung in Gang setzen solle.

Mitarbeiter von Westworld

Dr. Ford (Anthony Hopkins) ist inzwischen schwer damit beschäftigt die notwendigen baulichen Veränderungen in Gang zu bringen, um seine neue Storyline erfolgreich über die Bühne zu bringen. Wir sehen eine gigantische Baustelle und große, furchteinflößende Maschinen welche Erde ausheben und alles niederwalzen was ihnen im Wege steht.

Seine Macht über die Geschehnisse demonstriert Ford vor allem in einem Gespräch mit Mrs. Cullen (Sidse Babett Knudsen), das er auf der Terrasse einer alten Hazienda führt, in der Cullen früher mit ihren Eltern während ihrer Besuche von Westworld dinierte.

Hier zeigt Ford, dass auf sein Kommando alle Räder still stehen und sich keiner der Hosts, die als Kellner und Haziendapersonal unterwegs sind, mehr weiter bewegt, solange er das Zeichen dafür gibt. Mrs. Cullen zeigt sich sichtlich beunruhigt darüber und wird von Ford darauf hingewiesen, dass er es schon mit mehreren Personen ihrer Sorte zu tun hatte und sie ihm besser nicht in die Quere kommen sollte: „So I will ask you – nicely – please don’t get in my way…“ Dem Führungsgremium „The Board“ soll sie außerdem ausrichten, dass sein neues Projekt keine Retrospektive sein wird: „I’m not the sentimental type“.

Fazit

Alles in allem ist diese Folge, verglichen mit den 3 vorangegangenen, vom Erzähltempo her eher langsam. Beim ersten Sehen fand ich das etwas irritierend, aber bei einer zweiten Sichtung stellte sich heraus, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn man mehrere Folgen hintereinander schaut und sich die Geschwindigkeit der Informationsaufnahme zwischendurch leicht ändert.

Besonders hervorzuheben ist wieder einmal ein Dialog von Dr. Ford (dieses Mal mit Mrs. Cullen), in dem dieser weitere kryptische Hinweise auf seine Ziele und Motive gibt und erstmals auch sehr drastisch veranschaulicht wieviel Macht er in der Welt von Westworld besitzt.

Es wird angedeutet, dass die Hazienda, auf deren Terasse die beiden sich unterhalten, dem Erdboden gleich gemacht wird und er, im Unterschied zu Cullen, keine sentimentalen Gefühle dabei hegt. Seine neue Erfindung soll bahnbrechend sein und alles vorangehende in den Schatten stellen. Parallelen zu den Vorgängern sind zufällig und sollen keine falschen Hoffnungen wecken dass hier eine Retrospektive auf alte Zeiten stattfinden werde.

Irgendwie erinnert mich das an einen gewissen Zusammenhang, den die Serie Westworld in unserer Medienwelt mit der bisher erfolgreichsten HBO Serie Game of Thrones zu haben scheint. Einerseits erwartet man sich davon ein ebenso episches Werk, das die Zuschauer auf mehreren Ebenen über lange Zeit hinweg in seinen Bann zieht, andererseits soll sie jedoch ein eigenständiges, ganz neues Konzept haben, das nicht einfach nachbetet was früher einmal erfolgreich war, sondern in vieler Hinsicht Neuland betreten soll.

Unterstrichen wird dieser Eindruck für mich dadurch, dass die Hazienda – Terrasse mit ihrem zartrosa Blumenschmuck beinahe so aussieht wie einer der Gärten in denen die Figuren von Game of Thrones in geheime Unterhaltungen versinken und ihre intriganten Pläne schmieden. Dieser Ort wird am Ende der Folge dann symbolisch platt gewalzt um Platz für Neues zu machen.

Fragen die sich aus dieser Folge ergeben

Weiß Ford eigentlich über die geheimen Unterhaltungen von Bernard mit Dolores bescheid ?

Verfolgen Ford und Bernard dieselben Ziele oder werden sie einander in die Quere kommen?

Ist Ford nun wirklich ein negativer Charakter oder kommen nach den doch eher dunklen Informationen über ihn noch andere dazu, die ihn in einem besseren Licht erscheinen lassen?

Wird Mrs. Cullen sich gegen Ford wenden und wie steht eigentlich das „Board“ dazu ?

Wie lange wird es dauern bis der Man in Black und Dolores einander im Labyrnth begegnen ? Werden sie dort gegeneinander arbeiten müssen oder etwa sogar miteinander ?

Was meint Bernard, als er Dolores sagt, dass am Ende des Labyrinths für sie eventuell die Freiheit wartet ?

Eure Eindrücke, Fragen oder Antworten könnt ihr in den Kommentaren posten.

Über Rückmeldung freue ich mich immer !

4 Gedanken zu „Westworld S01 E04 : Dissonance Theory – Review

  1. Ich schreibe eben an meinem Review für Folge 5, aber die Theorie ist schon länger draußen: Was hältst du von der Idee der verschiedenen Zeitlinien, dass William The Man in Black sein soll.

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    1. Ich hab ein bisschen darüber gelesen, u.a. dass das leicht veränderte Logo in Szenen mit William und Logan ein Hinweis darauf sei soll, dass die beiden sich in der Vergangenheit bewegen. Irgendwie glaube ich persönlich aber nicht ganz dass die Theorie aufgehen wird, da bis jetzt noch keine wirklich jedem auffallenden Hinweise darauf eingebaut wurden.
      Meistens interpretiert man als Fan etwas mehr in die Serie rein als dann am Ende wirklich stimmt.
      Multiple Leitlinien wären interessant, aber irgendwie auch verwirrend, was den Gelegenheitszuschauer wohl ziemlich aus der Bahn werfen würde.

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      1. Ich denke eben auch nicht, dass es aufgeht, aber das Internet versucht zu verwirren. Jedoch ist bspw. die Schrift der Milchkanne bei Teddy eine andere als wie bei William. Dass es also zumindest verschiedene Zeitlinien gibt, wäre also anzunehmen..?

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  2. Möglich wäre es. Da William und Logan dem Man in Black noch nicht begegnet sind, könnte einer der beiden dessen jüngere Variante in einer früheren Zeitlinie sein.
    Dolores altert äußerlich nicht und ihr Gedächtnis könnte gelöscht worden sein.
    Ich halte diese Theorie aber im Moment noch für zu verwirrend um wahr zu sein 😉

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