Harry Potter and the Cursed Child – Review des Skripts zum Theaterstück

Theater meets Romanvorlage / Harry Potter meets Doctor Who  (Vorsicht Spoiler !)

Das Theaterstück, entwickelt von J.K. Rowling, Jack Thorne und John Tiffany, handelt von Ereignissen die sich 19 Jahre nach Harry Potter and the Deathly Hallows abspielen. Es läuft gerade erfolgreich im Palace Theater am Londoner Westend und hat daher mein Interesse geweckt.

Die Geschichte ist inzwischen auch in Romanform erschienen. Ich entschied mich aber das Skript zum Theaterstück zu lesen, da es für mich authentischer ist ein Werk in seiner Ursprungsform zu lesen und zu beurteilen.

Als Vorbereitung habe ich mir erstmal die Homepage des Theaters angesehen, vor allem die Bilder und kurzen Videos von der Bühne und den Darstellern mit und ohne Kostüme. Diese Vorgehensweise  stellte sich später als sehr Vorteilhaft heraus, da ich mir das Stück später beim Lesen so besser bildlich vorstellen konnte. Ich kann also jedem nur empfehlen vor dem Lesen ein bisschen die Atmosphäre des Theaterstücks zu tanken, denn die Art wie man Handlung, Charaktere und Themen der Geschichte aufnimmt hängt meiner Meinung stark davon ab wie gut diese Verknüpfung funktioniert.

Die Version die ich gelesen habe ist die Special Rehearsal Edition  als e-book von Thalia.

Handlung

Harry Potter ist inzwischen ein erwachsener Mann, der  im Ministry of Magic arbeitet und noch immer mit Ginny Weasley verheiratet ist, die ihrerseits bei der Zaubererzeitung Daily Prophet arbeitet. Die beiden haben 3 Kinder, wobei sein Sohn Albus Severus im Mittelpunkt der Handlung steht.

Hermione Granger ist beruflich ins Top-Management der Zauberwelt als  Minister of Magic aufgestiegen und noch immer mit Ron Weasley verheiratet. Die beiden haben 2 Kinder, die aber eher eine Nebenrolle spielen.

Zu Beginn der Geschichte ist Albus Severus auf dem Weg in sein erstes Hogwarts – Schuljahr und befreundet sich mit Scorpius, dem Sohn von Draco Malfoy an, da beide in der Zauberwelt eher nerdige Außenseiter sind, denen die Vorgeschichte ihrer Eltern ständig nachhängt, und  die einander daher von Anfang an gut verstehen.

Das magische Gimmick um das die Geschichte sich diesmal dreht ist ein Time Turner, mit dessen Hilfe der Vater des in Goblet of Fire von Voldermort getöteten Cedric  Diggory diesen Umstand  anscheinend durch Eingriff in die Vergangenheit verhindern möchte.

Delphi, die sich als Cedrics Cousine vorstellt,  nimmt Kontakt mit Albus und Scorpius auf. Sie überredet die beiden die Zeitreiseaktion durchzuführen, was natürlich für ziemliche Verwirrung im Raum – Zeit – Kontinuum sorgt und einige ungewollte Effekte in der Gegenwart und mehrere alternative Zeitlinien erzeugt.

Mit zunehmenden Komplikationen müssen sich auch die erwachsenen Harry, Ginny, Hermione, Ron und Draco einschalten, was für noch mehr Turbulenzen sorgt, bis sich herausstellt dass die ganze Sache in Wirklichkeit von einem Mitglied des Voldermort – Clans ins Rollen gebracht wurde.

Natürlich ist das Ende happy. Alle Verwirrungen lassen sich zu Gunsten der Familienmitglieder und Freunde Harry Potters lösen.

Just one big ball of wibbly- wobbly, timey-wimey ….. stuff

Obiges ist ein Zitat aus der Doctor Who Folge Blink, welches beschreibt wie die Zeit nach Ansicht des Doctors, im Gegensatz zum menschlichen linearen Denken, wirklich beschaffen ist.

Bei all dem Zeitlinien – Wirrwarr in The Cursed Child fühlte ich mich unweigerlich an diese ebenfalls sehr populäre britische Zeitreise – TV Serie erinnert, da hier oftmals ähnlich verwirrend zwischen verschiedenen Zeitebenen gewechselt und anschließend darüber philosophiert wird welche Auswirkungen die kleinste Änderung in der Vergangenheit auf die Gegenwart hat und wie man unabsichtliche Nebenwirkungen möglichst wieder hinbiegen kann.

Meine Assoziation kommt nicht von ungefähr, denn kürzlich gab es in der 9. Staffel der revitalisierten Doctor Who Serie eine Folge (Face the Raven)  in der sehr offensichtlich auf Harry Potter angespielt wurde (Aliens lebten versteckt vor den Menschen in einer Art Diagon Alley u.ä. ).

Die üblichen Zutaten

Es wäre nicht Harry Potter, wenn wir nicht, wie schon in Büchern und Filmen, neben einigen Neuerungen auch ein paar altbekannte Plotelemente wiedersehen würden:

 

  • Problematische Beziehung der Hauptcharaktere zu ihren Eltern
  • Die Aufteilung der neuen Hogwarts-Schüler in der Zeremonie mit dem Sorting Hat
  • Schulfächer Quidditch und Potions (Zaubertränke)
  • Benutzung von Time Turner und Polyjuice Potion (Vielsaft-Trank)
  • Kurzauftritt der Dementors
  • Voldermort gibt nicht auf die Weltherrschaft übernehmen zu wollen
  • Dumbledores animiertes Portrait, welches Harry mit weisen Ratschlägen versorgt
  • Cameos von bereits bekannten Charakteren, die keine große Rolle spielen aber aufgrund des Wiedererkennungswertes Fanherzen beglücken (u.a. Harrys Muggle-Familienanhang die Dursleys, Quidditch-Lehrerin Madam Hooch, Schulfreund Nevil Longbottom, Hausgeist Moanig Myrtle, die Trolley Witch welche im Hogwarts Express Süßigkeiten verkauft)

 

Neue Hauptcharaktere

Albus Severus Potter

ist seinem Vater Harry sehr ähnlich. Trotzdem sind beide zu Beginn der Handlung sehr gut darin an einander vorbei zu reden und sich zu wundern wie der jeweils andere die Welt sieht und welche Erwartungen beide an den anderen stellen. Zusätzlich fühlt er sich erdrückt von Harrys heroischer Vorgeschichte und fühlt sich angesichts dessen klein und deplatziert.

Scorpius Malfoy

ist für mich die interessanteste Rolle im Stück, da er sowohl für die Handlung maßgeblich ist als auch einige der besten Dialogzeilen bekommen hat.

Er ist das genaue Gegenteil seines Vaters als dieser im selben Alter war: sehr belesen, philosophisch und hat einen sehr britischen, sarkastischen aber nicht bösartigen Sinn für Humor. Natürlich hat auch er damit zu kämpfen, dass sein Umfeld über die Vorgeschichte seiner Eltern bescheid weiß und von ihm erwartet wird ganz anders zu sein als er selber sich fühlt. Er kommt aber am Ende seinem Vater, der sich sehr für sein Wohlergehen einsetzt, emotional näher und macht uns Draco dadurch auch ein wenig sympathischer als wir es von den Büchern und Filmen her gewohnt sind.

Charakterentwicklung der altbekannten Rollen

Mit dem Setting 19 Jahre nach Ende des letzten Romans setzt das Theaterstück die Charakterentwicklung der handelnden Personen von der Kindheit (Band 1 und 2) über die Jugend (Band 3 bis 7) ins Erwachsenenalter fort. Bei einigen Charakteren funktioniert das sehr gut, andere nehmen meiner Meinung nach eine gewöhnungsbedürftige, seltsame Wendung.

Harry Potter

hat sich vom rebellischen Teenager zum vielbeschäftigten Arbeitstier entwickelt, der zu Beginn der Handlung viel zu wenig Zeit mit seinem jüngsten Sohn Albus Severus verbracht hat und diesen daher in seiner Identitätskrise nur unzulänglich unterstützen kann.

Eine seiner Aussagen „Well, there are times I wish you weren’t my son“ hilft da auch nicht wirklich weiter. Gerade er weiß aus eigener Erfahrung wie es ist in einer Umgebung aufzuwachsen, die ihn nicht versteht (Stichwort Dursleys). Ich hätte daher angenommen, dass er als Erwachsener alles daran setzen würde mit seinen Kindern einfühlsamer umzugehen.

Im Verlauf der Geschichte zeigt er dann zum Glück zunehmend mehr Einsatz und es kommen immer mehr Züge des jungen Harry Potter zum Vorschein. Alles in allem finde ich aber  die Grundannahme, dass Harrys Charakter innerhalb der vergangenen 19 Jahre eine so starke Veränderung Richtung typischer üerarbeiteter Erwachsener, der Probleme damit hat die Sichtweisen seiner Kinder zu verstehen, durchmachen konnte, irgendwie seltsam konstruiert.

Hermione Granger-Weasley

ist zielstrebig, mutig und patent wie immer. Der Umstand, dass sie sich neben ihrem verantwortungsvollen Job als Minister of Magic auch um den eher kindlich gebliebenen Ron und die Erziehung der beiden gemeinsamen Kinder kümmert, unterstreicht das Anliegen J.K. Rowlings mit Hermione eine Art Rollenvorbild für moderne, emanzipierte junge Frauen  zu zeichnen, für die es in Literatur, Film und Unterhaltung noch zu wenig Identifikationsfiguren gibt.

In einer der alternativen Zeitlinien ist sie nicht mehr im Ministry of Magic tätig, dafür aber die meistgesuchte Rebellin gegen die Schreckensherrschaft Voldermorts, die sich todesmutig den Dementors in den Weg stellt.

Aber auch die Schattenseiten des Lebens als Working Mom in einer verantworungsvollen Führungsposition werden uns nicht vorenthalten. Ähnlich wie Harry Potter hat auch Hermione anfangs Schwierigkeiten damit, sich genügend intensiv um ihre Kinder zu kümmern.Im Unterschied zu Harry macht diese Etwicklung bei Hermione aber mehr Sinn, da sie ja auch als Kind und Jugendliche immer schon versucht hat viele Aktivitäten unter einen Hut zu bringen und trotzdem noch immer in allem perfekt zu sein. Dass das auf Dauer nicht ganz funktieren wird, war abzusehen.

In der Theateraufführung wird Hermione von der in Swasiland geborenen Schauspielerin Noma Duezweni gespielt. Darauf angesproche, erwiderte J.K. Rowling in einer Twitternachricht am 10. Juni 2016 „We found the best actress and she’s black. Bye bye, now“. Diese Entscheidung stärkt das bereits erwähnte Engagement Rowlings für eine möglichst hohe Identifikationsquote, da Hermione ein Vorbild für alle jungen Frauen sein soll und nicht nur für eine bestimmte, in sich geschlossene Gruppe.

Ron Weasley

ist von allen ehemaligen Hauptrollen, die als Erwachsene nur mehr Nebenrollen sind, am ehesten noch er selbst geblieben. Er ist noch immer für Schabernack zu haben und dabei oft unabsichtlich unverantwortlich. Den Kindern gegenüber ist er eher der lustige, nette Onkel und weniger eine glaubwürdige Vaterfigur.

Ganz ehrlich gesagt habe ich mir in dieser Hinsicht auch nicht wirklich etwas erwartet. Ich finde es gut, dass dieser Charakter so geblieben ist wie er immer schon angelegt war.

Draco Malfoy

ist zwar noch immer ein echter Slytherin und sehr skeptisch Harry Potter und seinen Freunden gegenüber. Um seinen Sohn zu retten muss er aber wohl oder übel mit den anderen zusammen arbeiten. Im Zuge dessen erfahren wir, dass auch in ihm ein emotionaler, durchaus nicht so bösartiger Mensch steckt, dem das Wohl seiner Famile immer sehr am Herzen lag, auch wenn er an einem Punkt in seinem Leben massiv daran scheiterte diese zu beschützen.

Während mit Harry Potter im Theaterstück weitaus unsympathischer war als ich es bisher gewohnt war, wird Draco, der vor allem in den Filmen oft genüsslich bösartig war, uns in einem weicheren Licht gezeichnet, ohne ihn jedoch zur Gänze umzupolen und zu einem grundgütigen Zauberer zu machen. Dadurch finde ich seine Charakterentwicklung auch um einiges stimmiger als die von Harry.

Fazit

Das Skript zum Theaterstück ist schnell gelesen und ich fand die Adaption des Stoffes in ein neues Genre durchaus gelungen, wenn auch nicht banhbrechend oder sensationell.

Die Verwendung des Zeitreise-Elements finde ich auch sehr gelungen. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich diese Art von Geschichten generell sehr gerne lese und sehe. Daher stört es mich auch nicht, dass mich einige Szenen sehr stark an die Erzählweise in der TV Serie Doctor Who erinnern und beide Franchises in letzter Zeit mehr oder weniger subtil aufeinander Bezug zu nehmen scheinen (siehe oben).

Für Leser die es weniger gewohnt sind, Theaterstücke zu lesen, kann die Erfahrung anfangs durchaus seltsam sein. Die harte Kritik einiger Reviewer an dieser Version geht wohl auch zum Teil darauf zurück, dass es manchmal eben schwieriger ist sich in eine Geschichte hinein  zu versetzen, wenn sich der Stil in dem sie geschrieben ist so drastisch von dem unterscheidet was wir bisher von der Buchreihe gewohnt waren.

Für mich waren alleine die Textzeilen von  Albus und Scorpius es aber schon  wert das Skript zu lesen. Ein paar Beispiele:

 

  • So what would you like me to do? Magic myself popular?“ (Albus)
  • It’s time that time-turning became a thing oft he past“ (Scorpius)
  • How to distract Scorpius from difficult emotional issues: Take him to a library“ (Albus)
  • The world changes and we change with it. Iam better off in this world. But the world is not better. And I don’t want that.“ (Scorpius)

 

Ich habe nach dem Genuß des Skripts  zum Theaterstück Harry Potter and the Cursed Child  nun definitiv Lust darauf bekommen mir die Aufführung am Londoner Westend (Palace Theatre) anzusehen, falls ich mal wieder in der Gegend bin und die Preise weniger astronomisch werden.

Daher vergebe ich für dieses Werk magische 3,5 von 5 Krokis

cropped-kroki.jpgcropped-kroki.jpgcropped-kroki.jpgcropped-kroki.jpg

3,5 / 5

 

Wie hat euch das Skript gefallen ? Habt ihr das Stück in London gesehen?

Eure Eindrücke, Fragen, Anmerkungen könnt ihr in den Kommentaren posten.

Über Rückmeldungen freue ich mich immer !

 

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