Doctor Who S11E01 : The Woman who fell to Earth

Die erste Folge mit Doctor 13 (Jodie Whittacker) wurde von der BBC groß angekündigt, im Fandom schon vor ihrem Erscheinen heiß diskutiert und auf jeden Fall von mir schon mit Spannung erwartet. Ob die erste Folge der 11. Staffel New Who auch hält was der Hype verspricht, versuche ich in diesem Review näher zu ergründen.

Vorsicht Spoiler ! Es ist einfach unmöglich die Vor- und Nachteile dieser Folge anzusprechen ohne dabei etwas über wichtige Handlungselemente zu verraten.

Handlungsrahmen

Nachdem Peter Capaldis 12. Doctor sich im Weihnachtsspecial 2017 theatralisch verabschiedete, in Doctor Nummer 13 regenerierte und diese gleich mal durch die TARDIS Türen hinaus befördert wurde, landen wir ohne große Umschweife gleich wieder im nächsten Abenteuer.

Doctor 13 (Jodie Whittacker) landet etwas unsanft auf einem Schnellzug nahe der Stadt Sheffield. Da sich in diesem Zug auch gerade eine Alien Entität rumtreibt, bleibt nicht sehr viel Zeit sich den verbliebenen Insassen näher vorzustellen oder über den Gender-Swap zu sinnieren. Das Alien wird erstmal vertrieben ohne aufzuklären wer was und wozu. Schließlich geht es handlungsmäßig auch mehr darum die/den Doctor mit neuen potentiellen Kandidaten bekannt zu machen, die auf zukünftige Reisen durch Raum und Zeit mitgenommen werden können.

Um es kurz zu machen: Die neuen Companions sind die Polizistin Yasmin Khan (Mandip Gill), der angehende YouTube VLogger Ryan Sinclair (Tosin Cole) und sein Stiefopa Graham O’Brien (Bradley Walsh). Dessen Ehefrau ist Ryans Großmutter Grace O’Brien Sharon D. Clarke), die aber bereits gegen Ende der Folge auch schon wieder abtreten muss.

Das Alien der Woche ist nicht, wie die Anfangssequenz im Zug vermuten ließe, die wollknäuelartige Verknotung von Sensor-Kabelsträngen, sondern ein blauhäutiger Predatorverschnitt namens Tzim-Sha (Samuel Oatley), der von Doctor 13 verarscht und  kurzerhand in Tim Shaw umbenannt wird, sich die Zähne seiner Opfer ins Gesicht klebt und im Rahmen eines nicht näher erklärten Initiationsritus versucht mit Schumellei und Betrug einen der Zuginsassen als Beute / Trophäe mit nach Hause zu bringen um tonangebende Mitglieder einer Spezies, die sich Stenza nennt, damit zu beeindrucken.

Der Showdown findet in schwindelnder Höhe auf einem Baukran statt, da Tim Shaws Jagdtrophäe ein Kranfahrer ist, der von Doctor 13 und den neu gewonnenen Mitstreitern aus seiner mißlichen Lage gerettet werden muss.

Nachdem Tim Shaw überlistet und etwas unsanft nach Hause geschickt wird, und die Truppe gemeinsam auf dem Begräbnis von Grace trauert, folgt schnell noch ein Cliffhanger zur nächsten Folge. Doctor 13 versucht sich mittels selbst gebauter Teleporter-Apparatur zur TARDIS zu transferieren, statt dessen landen jedoch alle Beteiligten irgendwo mitten im Weltall.

Pro

Jodie Whittacker macht meiner Meinung nach eine ganz gute Figur als 13. Doctor. Mich erinnert ihr erster Dialog im Zug ein wenig an den Capaldi Doctor, dessen Outfit sie noch immer trägt und dessen Persönlichkeit offenbar auch nach der Regenerationssequenz noch ein bisschen nachwirkt. Später entsteht der Eindruck, dass auch der 10. Und 11. Doctor (David Tennant und Matt Smith) durchscheinen.

Der Einstieg in die neue Ära des weiblichen 13. Doctors geschieht jedenfalls sehr schnell, fast reibungslos und kommt zum Glück ohne großartige Erklärungsversuche aus. Regeneration und Gender-Swap wird in einem einem kurzen Einwurf zu Beginn der Folge abgehandelt.

Doctor: Why are you calling me Madam ?

Yasmin: Because … you are a woman …

Doctor: Am I ? Does it suit me ? Oh I remember – sorry, half an hour ago I was a white-haired Scotsman.

Doctor 13 scheint während der noch nicht ganz abgeschlossenen Regeneration selbst noch nicht so ganz sicher zu sein welche Eigenheiten sich aus ihrer neuen Persönlichkeit ergeben werden. Es bleibt also noch offen wie sie sich mit zunehmender Gewöhnung an ihr neues Ich weiter entwickeln wird. Auch dieser Umstand wird in einer kurzen Bemerkung thematisiert aber zum Glück auch nicht länger breit getreten.

Doctor: Right now I’m a stranger to myself. There’s echoes of who I was and a sort of call towards who I am. And I have to hold my nerve and trust all these new instincts, shape myself towards them. I’ll be fine in the end. Hopefully.

Eine spezielle Eigenschaft von Doctor 13 scheint der Hang zum do it yourself Basteln zu sein. Da der Capaldi Doctor seinen Sonic Screwdriver offenbar nicht in der Tasche mit sich trug, muss sie sich erstmal Ersatz beschaffen, indem sie sich kurzerhand selbst einen neuen aus Metallresten zusammen schweißt, die sie in der Werkstatt eines der Opfer des jagddurstigen Aliens findet.

Doctor: Sonic screwdriver. Well, I say screwdriver, but it’s a bit more multipurpose than that. Scanner, diagnostics, tin opener – more of a sonic swiss army knife.

Swiss army sonic. Now with added Sheffield steel !

Auch die selbst gebaute Transporterapparatur, mit der sie an Ende der Folge versucht die TARDIS wieder zu finden, wirkt eher wie ein improvisierter Versuch, der ja auch nicht ganz so genau zu funktionieren scheint, da sie nicht in oder bei der TARDIS landen, sondern irgendwo mitten im Weltall. Diesen Umstand fand ich charmant, denn der Doctor war niemals unfehlbar und machte auch in der Vergangenheit oft einfach mal auf gut Glück den Versuch etwas zu bewirken, was dann ganz andere Auswirkungen hatte als ursprünglich geplant.

Contra

Obwohl ich Doctor 13 sehr sympathisch finde, einige zitierfähige Dialoge eingebaut wurden und sowohl Optik als auch Spezialeffekte der neuen Ära sehr stilvoll und offenbar auch recht teuer umgesetzt sind, konnte bei mir leider noch keine absolute Hochstimmung aufkommen. Dafür war die Story ein wenig zu vorhersehbar und vor allem das Erzähltempo mindestens einen Tick zu behäbig.

Während man den Geschichten aus den Federn von Russel T. Davies (9. Und 10. Doctor) und Steven Moffat (11. Und 12. Doctor) durchaus vorwerfen konnte zuviel Handlung und viel zu viel Action in eine viel zu kurze Sendezeit hinein zu pressen, stellt Chris Chibnalls Debut als Showrunner sozusagen die Antithese zu den Herangehensweisen seiner Vorgänger dar. Ich denke, dass dies schon so gewollt ist, um dem etwas in die Jahre gekommenen Franchise eine kleine Rundumerneuerung zu gönnen. Leider ist dieses Bemühen jedoch sichtlich über das Ziel hinaus geschossen. Es gibt durchaus einige sehr ambitionierte Passagen zu Beginn und am Ende dieser ersten Folge der 11. Serienstaffel. In der Mitte ist das Tempo aber leider viel zu langsam und der Bösewicht viel zu belanglos als dass wirkliche Spannung oder gar Begeisterung aufkommen könnte.

Ebenso belanglos finde ich in dieser Folge leider auch die neuen Companions des Doctors, welche aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen jetzt nicht mehr Companions genannt werden sondern Friends.

Ist den Autoren z.B. wirklich nichts Besseres eingefallen als mit Yasmin schon wieder eine Polizistin ins Rennen zu schicken, die ihrer Arbeit überdrüssig zu sein scheint und diese als ebenso fad und ereignislos empfindet wie ich ihre offensichtlich an die Mentalität der in der Spin-off Serie Torchwood proträtierten Polizisten angelehnte Arbeitshaltung ?

Warum musste Granny Grace, die durchaus das Zeug zu einem ernst zu nehmenden neuen Companion gehabt hätte, bereits in der ersten Folge das Zeitliche segnen, ohne dass wir sie vorher näher kennenlernen konnten ? Das Duo Graham und Stiefenkel Ryan hat es da etwas besser getroffen, da wir sie am Ende wenigstens ein bisschen für den Tod ihrer Ehefrau / Oma bemitleiden dürfen. Viel mehr ist über sie aber aber leider auch noch nicht zu sagen.

Vielleicht hätte man sich für die erste Folge auch zunächst mehr auf die beiden Companions Graham und Ryan, sowie ihre Vorgeschichte mit Oma Grace konzentrieren sollen und erst ein paar Folgen später einen weiteren Companion mit dazu nehmen, wenn überhaupt. Yasmin hätte man in dieser ersten Folge auch einfach vollständig aus der Handlung rausnehmen können und es würde genau garnichts am Ausgang der Geschichte ändern. So wenig Einfluss hatte sie auf das was passierte. Warum also mit ihrem Auftritt nicht einfach noch warten, bis sich ein besserer Zeitpunkt ergibt ?

Fazit

Eine etwas durchwachsene Folge, wenn man sie mit der Gesamtheit aller bisherigen Doctor Who Geschichten vergleicht. Innerhalb der bisherigen  Einführungsfolgen neuer Doctoren aber durchaus ganz ordentlich im oberen Drittel, wenn man sie z.B. mit Time of the Rani (7. Doctor Silvester McCoy), dem unglaublich platten TV-Film aus den 90ern* (8. Doctor Paul McGann), The Christmas Invasion (10. Doctor David Tennant) oder Deep Breath (12. Doctor Peter Capaldi) vergleicht, die durchaus ähnliche inhaltliche Schwächen und ein unpassendes Erzähltempo miteinander kombinierten.

*Nicht falsch verstehen, ich mag McGanns 8. Doctor sehr, aber der TV-Film ist leider wirklich nicht gut.

Jodie Whittacker hat definitiv Potential ein würdiger Doctor zu werden. Allerdings bleibt zu hoffen, dass zukünftige Geschichten mit mehr inhaltlicher Substanz daher kommen, statt sich zu viel auf gefällige Optik und einige wenige gut platzierte Dialogelemente zu konzentrieren.

Für die neuen Companions wünsche ich mir, dass der Fokus einiger späterer Folgen auch auf ihrer Charakterisierung liegen wird, damit sie nicht einfach nur austauschbare Abziehbilder bleiben, sondern vollwertige Charaktere, mit denen wir uns als Zuschauer eingehender beschäftigen wollen.

Ich vergebe daher zunächst eher vorsichtige 2,5 von 5 Krokis, die sich erst dann ein wirkliches Urteil erlauben wollen, wenn sie mehr von dieser Doctor Who Ära gesehen haben, um sagen zu können ob das Ganze generell was bringen wird oder auch nicht.

 

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2,5 / 5

 

Fragen die sich aus dieser Folge ergeben

 

  • Warum hat die TARDIS Doctor 13 gleich nach ihrer Regeneration abgeworfen und ist seither nicht mehr auffindbar ?
  • Welchen Einfluss werden die angedeuteten Handycaps der Companions Ryan (Koordinationsprobleme aufgrund einer Erkrankung namens Dyspraxie) und Graham (frühere Krebserkrankung) auf deren Schicksal bzw. Charakterentwicklung und auf die des Doctors haben ?
  • Wird jemals aufgeklärt werden warum Ryans Vater, der Sohn von Grace, nicht auf deren Begräbnis auftauchte und auch sonst offenbar sehr wenig für seinen Sohn erreichbar zu sein scheint ?
  • Wer wird Doctor 13 und ihre Companions aufsammeln und wie lange wird es dauern bis sie ihre TARDIS wieder findet ?

 

Wie hat euch diese erste Folge der 11. New Who Staffel gefallen ? Top oder Flop ?

Eure Infos, Fragen und Antworten könnt ihr wie immer in den Kommentaren posten. Über Rückmeldung freue ich mich immer !

2 Gedanken zu „Doctor Who S11E01 : The Woman who fell to Earth

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