Doctor Who Staffel 11 – warum es mir schwer fällt darüber zu schreiben oder gar zu diskutieren

Nachdem ich schon mehrere erfolglose Anläufe unternommen habe, die Folgenbesprechungen der 11. Staffel Doctor Who (mit Jodie Whittacker als 13. Doctor) zu vervollständigen, muss ich mich zwangsläufig mit der Frage beschäftigen warum es mir so dermaßen schwer fällt meine Gedanken darüber zu Papier zu bringen.

Ein großer Faktor ist die Tatsache, dass ich die Staffel leider nicht besonders herausragend fand. Andererseits ist es mir ein Anliegen bei der Beurteilung so fair wie möglich zu bleiben, weshalb ich bei meinen Reviews immer einige Argumente Pro und Contra sammle und mir erst nach der Gegenüberstellung ein Urteil erlaube, ob das Gesehene zufriedenstellend umgesetzt war oder auch nicht.

Im Fall der 11. Staffel New Who (in Fankreisen so benannt nach dem erfolgreichen Reboot 2005) kommt erschwerend hinzu, dass es im Internet und den mir zugänglichen Medien generell einen unglaublichen Backlash gibt. Die Stimmung ist teilweise so negativ, dass ich mich nach der Beschäftigung mit entsprechenden Diskussionen und Kommentaren in diversen Fanforen  schon ganz schlecht fühle. 

Je nach Plattform wird mal mehr und mal weniger unter der Gürtellinie argumentiert, aber auch der wo es vergleichsweise gesittet zugeht, schwingt mancherorts eine große Negativität mit. Kein Wunder also, dass es mir da wenig Spaß macht meine kostbare und spärliche Freizeit damit zu verbringen.

Was mir an der Staffel 11 eigentlich ganz gut gefällt:

  • Jodie Whittacker finde ich als 13. Doctor ganz ok. Vor allem in ihrer allerersten Folge The Woman who fell to Earth gefiel sie mir gut. Einerseits wurde in dieser Folge das Gefühl vermittelt den Vorgänger-Doctor Peter Capaldi nachhallen zu sehen, andererseits wurden ein paar sympathische Facetten der neuen Persönlichkeit angedeutet, wie z.B. ihr lebensbejahender Optimismus, die etwas kindliche Zerstreutheit, der Hang zum Hinterfragen ihrer eigenen Wirkung auf andere oder die Vorliebe fürs do-it-yourself Basteln.
  • Die meisten Folgen hatten eigentlich sehr interessante Grundideen, die zum Großteil auf realen historischen Hintergründen basieren. Auch dass gesellschaftliche Normen behandelt und hinterfragt werden ist für mich ein grundsätzlich begrüßenswerter Ansatz (z.B. Kritik an Großkonzernen in Kerblam!, Rassismus in Rosa, die Spaltung Indiens und Pakistans in Demons of the Punjab, Hexenverfolgung in The Witchfinders). 

Was mir an der Staffel 11 überhaupt nicht gefällt:

  • Es gibt keinen überspannenden Handlungsbogen, wenig bis keine staffelübergreifenden Themen oder gar Storyarcs, wenig interessante oder gar komplexe Mysterien und in den regulären Folgen 1-10 keine Auftritte alter Bekannter oder bekannter Feinde des Doctors. Dass im Neujahrs-Special dann doch noch ein Dalek auftreten durfte war zwar nett gemeint, hat’s für mich aber leider auch nicht wirklich rausgerissen.
  • Jodie Whittacker erhielt bisher nur wenig bis keine Möglichkeiten ihren Doctor als eigenständige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten bzw. einem wirklich klaren Profil darstellen zu können. Die bisher einzigartige Chance einen weiblichen Doctor gleichwertig zu männlichen Vorgängern zu charakterisieren und auch das wie, wann warum zu thematisieren, welches einen weiblichen Doctor so besonders macht, wird leider nicht so wirklich gut genutzt. Zuerst dachte ich schon ich würde mit meinem Gefühl alleine dastehen. Bis ich in einem Onlinemagzin einen Artikel zum Thema las, der sich damit beschäftigte, dass in den meisten Geschichten der Staffel 11 der männliche Companion Graham von allen Figuren mit Abstand am besten  charakterisiert ist und vor allem in seinen Dialogen viel bessere Möglichkeiten erhält uns sympathisch und sinngestaltend in Erinnerung zu bleiben. Interessant ist, dass Bradley Walsh, der Darsteller des Graham, in der Gerüchteküche vor dem offiziellen Amtsantritt Jodie Whittackers sogar einige Zeit lang als möglicher neuer Doctor gehandelt worden war. Daher drängt sich durchaus die Frage auf, ob da nicht irgendwie doch etwas mehr dahinter steckt. 

Was mir an der allgemeinen Diskussion zur 11. Staffel nicht gefällt:

  • Die in einigen Foren und Social Media Kanälen (z.B. Reddit, Facebook Twitter, YouTube) sehr intensiv geführte Diskussion dreht sich sehr oft leider nicht um die oben angeführten Grundprobleme. Statt dessen wird oft sehr aggressiv und unverhohlen eine ganz andere Diskussion daraus abgeleitet. In dieser Ersatzdiskussion scheint sich alles um die angebliche Allmacht der angeblichen Genderisten und Social Justice Warrior zu drehen, die als das angeblich wahre Grundübel für die Entwicklung der Serie vor dem Hintergrund allgemeiner gesellschaftlicher Entwicklungen ausgemacht werden.
  • Der neue Showrunner Chris Chibnall wird von einigen sehr laut und provokativ argumentierenden Diskutanten persönlich als die Wurzel allen Übels angesehen und entsprechend unter der Gürtellinie herab gewürdigt. Es ist halt oft viel einfacher ein Systemproblem (in diesem Fall die Entscheidungen der BBC über Inhalt und Form ihrer Sendungen) einer Einzelperson umzuhängen und diese persönlich zu beleidigen. Als Jodie Whittacker sich in Interviews ebenfalls zu Wort meldete, war das natürlich ein gefundenes Fressen für jene Diskutanten die nur darauf gewartet hatten auch sie persönlich anzugreifen. 

Online führt beides dann sehr oft zu haarstreubenden Diskussionen über linke und rechte Wertvorstellungen, Pro und Contra Pluralismus in der Gesellschaft, freie Meinungsäußerung in Bezug auf provokant sexistische, rassistische und sonstige reaktionäre Kommentare, sowie eine allgemeine Frustration die sich verbal entlädt und nicht mehr zu stoppen ist.

Das Ganze geht über den sonstigen, fast schon normalen Trollwahnsinn oft ziemlich weit hinaus. In einigen deutschsprachigen Fanforen habe ich sogar den Eindruck, dass sich mittlerweile nicht mehr viele gemäßigte Whovians überhaupt noch trauen ihre Meinung zum eigentlichen Thema in den Forendiskussionen auszudrücken, weil daraus ganz oft eine Flut an negativen Kommentaren und provokanten pseudo-politischen Diskussionen folgt.

Ich bin beileibe kein Feind politischer Diskussionen. Im Gegenteil. Ich führe sie durchaus sehr gerne, aber ganz sicher nicht wenn sie – wie oben beschrieben – nur darauf abzielen diverse Tiraden an Anti- Gender Equality, Anti- Sozialbewusstsein und Anti- alles was uns sonst so n der Welt  nicht gefällt los zu treten.

Die Konsequenz daraus

Aus dem Online – Grundsatzdiskussionen halte ich mich schon seit einiger Zeit raus, so gut wie es geht. Die bringen nichts und bieten meistens nur denjenigen ein Forum, die um jeden Preis provozieren und auffallen wollen. Dafür ist mir meine spärliche Freizeit wirklich zu schade.

Bei den Folgenbesprechungen stecke ich noch immer in der Hälfte fest. Ich möchte mich aber dennoch zusammen reißen und auch die restlichen Reviews noch fertig stellen. Die Herausforderung ist für mich nach wie vor der Anspruch einer möglichst fairen Beurteilung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass jede noch so unzufriedenstellende Geschichte durchaus auch ein paar positive Aspekte beinhalten kann. 

Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen bei der BBC die richtigen Schlüsse aus dem Backlash ziehen und wir in der für 2020 angekündigten 12. Staffel wieder bessere geschriebene Stories erhalten werden.

Solange das nicht der Fall ist, muss ich mich weiter durchkämpfen, versuche Ruhe zu bewahren und mich nicht zu stark vom allgemeinen Negativdenken mitreißen zu lassen. Auch wenn’s schwer fällt.




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