Serienrückblick 2018 – drei Reboots und eine problematische Runderneuerung

Meine persönliche TOP 3 des Jahres 2018 besteht ungewöhnlicherweise zu 100% aus Reboots deren Originale ich als Kind gesehen und damals schon irgendwie gut gefunden hatte. Das überraschte mich selbst wohl am meisten, denn Reboots stehe ich normalerweise aus leidvoller Erfahrung sehr skeptisch gegenüber. Ich denke da als Negativbeispiel an so unsägliche Produktionen wie Team Knight Rider oder die etwas dümmliche Kinofilmversion von Charlie’s Angels. 

The Chilling Adventures of Sabrina

MTV International [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Da ich die Sitcom Sabrina the Teenage Witch in den 1990ern eher nebenbei als Geräuschkulisse beim Abendessen oder Füller zwischen zwei interessanteren TV-Beiträgen verfolgt hatte, erwartete ich mir von diesem Reboot nicht sehr viel. Dafür wurde ich umso positiver überrascht.

Die gruselige Variante der Geschichte rund um die 16jährige Hexe Sabrina Spellman (Kiernan Shipka), ihre beiden Tanten Zelda (Miranda Otto) und Hilda (Lucy Davies), Goblin-Kater Salem und menschliches Love Interest Harvey Kinkle (Ross Lynch) überzeugt visuell durch schaurig schöne farblich passende Gruseloptik.

Auf thematischer Ebene punktet die Serie vor allem durch die ironisch-sarkastische Verkehrung gesellschaftlicher Traditionen des modernen Amerikas (vor allem des amerikanisierten Christentums) in ihr bösartiges Gegenteil. So ist z.B. Thanksgiving das Fest an dem einer selbstlosen Hexe gedacht wird, die das Überleben ihres Clans während einer Hungersnot sicherte, indem eine aktuelle Hexe ausgewählt, geopfert und von den anderen verspeist werden muss. Zu Weihnachten wird wiederum nicht die Geburt des „falschen Gottes“ gefeiert, sondern böse Geister müssen durch einen wochenlang durchgehend am Brennen gehaltenen Holzscheit im Ofen am Eindringen in das Haus gehindert werden, usw.

Gelungen finde ich auch die beiden  für den Reboot neu kreierten Gegenspieler der Spellmans: Miss Wardell / Madam Satan (Michelle Gomez), die dämonische und so richtig schön hinterlistige rechte Hand Satans, und Father Faustus Blackwood (Richard Coyle), der den eher konservativen Teil der Hexengemeinschaft repräsentiert. Beide fungieren als böse Gegensätze zu Sabrina und ihren Tanten, welche doch deutlich sympathischer, progressiver und offener mit der (menschliche) Welt um sie herum interagieren. 

glückliches Kroki

Lost in Space

Ja, ich bin tatsächlich schon so alt, dass ich mich daran erinnern kann als kleines Kind ein paar Folgen der Originalserie aus den 1960er Jahren gesehen zu haben. Allerdings nicht die Erstausstrahlung (so alt bin ich auch wieder nicht) und die meisten in der Deutschen Synchronisation. Mit der Einführung des Kabelfernsehens konnte ich dann Ende der 1980er auf den britischen Sendern Sky Channel und Super Channel auch ein paar Bruchstücke der Englischen Originalversion sehen.

Nachdem der Kino Reboot aus 1998 zwar ganz nett aber unbedeutend für die Filmgeschichte gewesen war, erwartete ich mir auch von der erneuten Auferstehung der Serie nicht sehr viel.

Die Neuauflage punktet allerdings mit sehr guten Hauptdarsteller/innen und einer interessanten  Familiendynamik der Robinsons, die zum Glück sehr modern daher kommt. Die Probleme, Missverständnisse und Konfliktlösungen zwischen Vater John (Toby Stephens), Mutter Maureen (Molly Parker), Sohn Will (Maxwell Jenkins) sowie den Töchtern Judy (Taylor Russen) und Penny (Mina Sundwall) sind sehr authentisch dargestellt ohne ins Moralisieren oder kitschige Familienklischees abzugleiten.

Dass der Mitreisende und gleichzeitige Gegenspieler Doctor Smith (Parker Posey) diesmal eine Frau ist, funktioniert in der Serie so gut, dass der Umstand auch in Fankreisen außergewöhnlich positiv bewertet wurde.

Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D

Mir gefällt, dass ein weiblicher Doctor Smith um nichts weniger psychopathisch, egoistisch und nachvollziehbar pessimistisch dargestellt wird wie das männliche Original. Dadurch hatte ich wirklich das Gefühl den selben bekannten Charakter vor mir zu haben, der nur etwas anders aussieht aber klar als er/sie selbst erkennbar bleibt und ähnlich viel Komplikationen für die Handlung der Serie stiftet wie man es immer schon von dieser Figur gewöhnt war. 

glückliches Kroki


Das Boot

Mit dem Reboot der Geschichte um die Besatzung eines deutschen U-Boots im 2. Weltkrieg verhält es sich ähnlich wie bei Lost in Space. Das filmische Original aus 1981sah ich zum ersten Mal als Kind mitten in der Nacht im Fernsehen. Ja, ich habe zu dieser Zeit offensichtlich einige Sendungen gesehenen, die eigentlich nicht für mein damaliges Alter frei gegeben waren. Das lag vor allem daran, dass meine Oma immer sehr früh beim Fernsehen einschlief und ich dann oft ziemlich störungsfrei alles Mögliche ansehen konnte was die damals noch 2 Sender umfassende Fernsehlandschaft hergab.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Was mir an der Erzählung in Serienform sehr gut gefällt ist, dass sie es schafft in nur 8 Folgen mehr Story, Worldbuilding und Charakterentwicklung unter zu bringen als so manche andere Serie in 8 Staffeln.

Neben der Haupthandlung auf dem U-Boot, welche an die Handlung des Kinofilms angelehnt aber zum Glück nicht nur einfach 1:1 daraus entnommen wurde, gibt es auch eine sehr interessante Nebenhandlung die an Land in einer französischen Kleinstadt spielt und die Hintergründe des zivilen Widerstands der besetzten Bevölkerung näher beleuchtet.

Die deutsch- und französischsprachigen Hauptdarsteller Leonard Scheicher  als Mitglied der U-Boot Besatzung + des verdeckten Widerstands, Vicky Krieps als dessen Schwester, die mehr oder weniger unabsichtlich zur Widerstandsunterstützerin wird, und Tom Wlaschiha als Gestapo Chef, waren für mich bisher unbekannte Gesichter. Da sie in ihren Rollen durch die Bank sehr authentisch und überzeugend rüber kommen, hoffe ich sie auch in zukünftigen Film- und Fernsehproduktionen wiedersehen zu dürfen.

Es zeigt sich wiedermal, dass es sehr wohl möglich wäre auch in der deutschen TV Industrie weitaus mehr Qualität zu bieten als bisher mit Produktionen wie z.B. Lindenstraße oder Tatort. Bitte gerne mehr davon !

glückliches Kroki


Doctor Who, Staffel 11

https://pixabay.com/de/doctor-who-whovians-zeit-maschine-3746155/
https://pixabay.com/de/doctor-who-whovians-zeit-maschine-3746155/

Den storytechnischen und thematischen Absturz dieser seit über 50 Jahren existierenden TV-Serie ins Dunkel der Belanglosigkeit empfinde ich persönlich besonders schmerzlich.

Mit Jodie Whittacker sehen wir erstmals eine weibliche Inkarnation des mit seiner blauen Polizeitelefonzelle durch die Zeit reisenden Timelords. Die Idee finde ich nach wie vor sehr erfrischend. Auch die Schauspielerin hat Potential und würde es wirklich verdienen mithilfe geeigneter Drehbücher, Storyarcs und Charaktermomente als wirklich glaubwürdige Verkörperung einer der bekanntesten Figuren britischer Science Fiction in Erinnerung zu bleiben.

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung war jedoch von der BBC und dem neuen Showrunner Chris Chibnall großer Wert auf die Feststellung gelegt worden, dass die 11. Staffel eine Art Runderneuerung der Serie sein solle. Das Ziel war offenbar alles anders zu machen als es vorangegangene Show Runner, allen voran der direkte Vorgänger von Chibnall, Steven Moffat , bisher umgesetzt hatten. Kurz zusammen gefasst heißt das: wenig bis keine staffelübergreifenden Themen oder gar Storyarcs, keine komplizierten Mysterien und keine Auftritte alter Bekannter oder bekannter Feinde des Doctors.

Das Problem: Wenn alle diese Elemente weg gelassen werden, ergibt das nicht nur keine schlüssige Staffel Doctor Who, sondern überhaupt keine sinnvolle Serie in irgendeiner Hinsicht. 

Bevor ich an dieser Stelle in den allgemeinen Internet-Rant mit einstimme, was ich eigentlich nicht sinnvoll finde, verweise ich zur Detailinformation lieber auf meine zum heutigen Zeitpunkt dazu schon existierenden Folgenreviews:

Obwohl ich aus Zeitmangel gepaart mit schierer Verzweiflung noch nicht dazu kam, auch die restlichen Folgenreviews fertig zu schreiben, möchte ich mit dieser Tradition auch in Krisenzeiten nicht brechen und plane das im Laufe des 1. Quartals 2019 noch nachzuholen.

Da ich aber alle Folgen zumindest schon gesehen habe, steht leider eines bereits fest:

enttäuschtes Kroki


Fragen an die Leserschaft

waren eure High- und Lowlights des Serienjahrs 2018 ?

Welche Serien könnt ihr mir empfehlen auf jeden Fall noch anzusehen ?


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