Ready Player One (2018)

I was born in 2025, but I wish I’d grown up in the 1980s, like all my heroes.

(Wade im Voice-Over zu Beginn des Films)

(Vorsicht, milde Spoiler !)

Dieses Zitat aus dem Trailer ist marketingtechnisch besonders gelungen, um eine sofort an der richtigen Stelle wirkende Beziehung zu zweierlei großer Anteile des Zielpublikums für diesen Film herzustellen. Jenen, welche die 1980er miterlebt haben und jenen, welche die derzeit schon länger in diversen Filmen und TV Serien anhaltende Nostalgiewelle miterleben. Wie mir die Verfilmung des 2010 erschienenen gleichnamigen Romans von Ernest Cline unter der Regie von Regielegende Steven Spielberg gefallen hat, verrate ich euch in diesem u.a. mit einigen kleinen Spoilern gefüllten Artikel.

Handlungsrahmen

Der nerdige Programmierer Halliday (Mark Rylance), der in den tiefsten 1980ern aufwuchs und die Entwicklung des digitalen Entertainments, welchemit dem allerersten Videospiel Pong (1972) ihren Anfang genommen hatte, schon seit frühester Kindheit miterlebte, erschuf als Erwachsener zusammen mit seinem besten Freund und Business Partner Ogden Morrow (Simon Pegg) eine digitale Spielwelt namens OASIS, die auch Jahre nach seinem Tod noch von so ziemlich jedem Menschen im Jahr 2045 regelmäßig aufgesucht wird. In dieser Parallelwelt können Spieler sich, ähnlich wie in bereits in unserer Gegenwart 2018 existierenden Online Rollenspielen, frei bewegen, das Aussehen Ihres virtuellen Charakters selbst bestimmen und nach Belieben verändern, Waffen und Gimmicks kaufen, Easter Eggs suchen und entweder friedlich mit anderen kooperieren oder sich gegenseitig auf riesigen Schlachtfeldern bekämpfen.

Um die Existenz der OASIS als für alle Menschen zugängliche, freie Parallelwelt auch nach seinem Ableben abzusichern, hinterlässt Halliday der Welt eine kryptische Nachricht, welche alle User dazu aufruft das ultimative geheime Easter Egg zu finden und dadurch zum neuen Eigentümer der virtuellen Welt aufzusteigen:

A creator who hates his own creation. A hidden key: a leap not taken. Retrace your steps, escape your past. And the key of Jade will be yours at last.

Nur wer sich in der nostalgisch verklärten 1980er Jahre Popkultur auskennt und darüber hinaus auch das Leben Hallidays bis ins kleinste Detail analysiert und versteht wie er tickte, kann mit diesen vagen Andeutungen etwas anfangen und am Ende der Auserwählte sein, dem die Ehre zuteil wird der neue Hüter der OASIS zu werden.

Wir erleben wie verschiedene Fraktionen versuchen sich dieses Easter Egg anzueignen. Darunter die beiden Hauptcharaktere Wade (Tye Sheridan), dessen virtueller Name Parzival ist, und Samantha (Olivia Cooke) die sich in der virtuellen Realität Art3emis nennt. Ihnen zur Seite stehen die loyalen Freunde Aech (Lena Waithe), Daito (Win Morisaki) und Sho (Philip Zhao). Auf der Gegenseite steht eine habgierige, turbokapitalistische Organisation namens 101, welche unter der Führung des machtgeilen Geschäftsführers Sorrento (Ben Mendelsohn) steht und die OASIS zu einer Diktatur umfunktionieren möchte, in der alles von eben dieser Firma beherrscht wird. Untgerstützt wird Sorrento von einer Heerschar unfreiwilliger Kämpfer, die aus Menschen besteht welche der 101 Geld schulden und diese Schulden als virtuelle Soldaten abarbeiten müssen, sowie von einem Hardcore-Gamer namens I-R0k (T.J. Miller), mit dem er ausschließlich in der virtuellen Welt interagiert, und der Agentin F’Nale Zandor (Hannah John-Kamen), seine skrupellosen Pläne Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen wiederum in der realen Welt umsetzen soll.

Wie in jedem Rollenspiel führt der Weg zur Entdeckung des ultimativen Easter Eggs auch in dieser Geschichte über das Bestehen verschiedener Challenges, welche unsere Helden nur gemeinsam und am Ende unterstützt durch eine Heerschar Gleichgesinnter meistern können. Trotz diverser Irrungen und Wirrungen gewinnt am Ende natürlich die „gute“ Seite rund um Parzival und Artemis, wodurch das Weiterbestehen der OASIS als demokratische virtuelle Welt gesichert ist.

Pro

Nostalgieoase in der Zukunft der 1980er

Unter denjenigen unter uns, welche in den 1980ern aufwuchsen, wünschten sich wohl sehr viele an bestimmten Punkten in ihrem Leben sie wären in einer Zukunftswelt aufgewachsen. Und unter denjenigen, welche nicht in den 1980ern aufwuchsen, gibt es mittlerweile aufgrund der schon länger anhaltenden filmischen Nostalgiewelle – exemplarisch genannt seien hier Stranger Things (2016/17) und IT (2017 ) – sicher einige, die sich wünschten sie wären in dieser vergangenen Epoche groß geworden.

Interessant ist auch, dass die Story von Ready Player One in einer Zukunftswelt spielt, welche genau das widerspiegelt was in vielen in den 1980ern erschaffenen Science Fiction Filmen, wie z.B. Blade Runner (1982) als dystopische Zukunftsvision entwickelt worden war. Die Menschheit hat es nicht geschafft sich in die friedliche, saubere, sozial verträgliche Star Trek Zukunft weiter zu entwickeln. Statt dessen lebt man/frau im Jahr 2045 in ziemlich dreckigen, tristen Großstädten aus denen es mittels Virtual Reality Equipment in eine digitale Scheinwelt zu fliehen gilt, um sich bis auf kurze Pausen für Schlaf und Nahrungsaufnahme nicht allzu sehr mit der ungemütlichen Realität beschäftigen zu müssen.

Being human totally sucks most of the time. Videogames are the only thing that make life bearable.

So schlimm ist es um unsere Gegenwartsrealität im Jahr 2018 noch nicht bestellt. Eine Trendentwicklung Richtung 1980er Dystopie erscheint uns allerdings vielerorts plausibel. In der Geschichte von Ready Player One steckt, wie in allen Dystopien, daher eine Warnung vor den Folgen eines leichtsinnigen Umgangs mit unserer gegenwärtigen Welt, die schneller zum Untergang führen könnte als man glaubt. Gleichzeitig spiegelt die Grundprämisse, dass alle die in der beschissenen Zukunft leben sich nach einer verklärten Vergangenheit sehnen, auch die in unserer Gegenwart existierende Nostalgiewelle wider, innnerhalb derer natürlich nur die positiven Seiten der 1980er wieder auferstehen sollen, ohne sich gleichzeitig an eher nicht so prickelnde reale Lebensumstände wie z.B. den Kalten Krieg zwischen USA und UdSSR, diverse Arbeitskämpfe und Katastrophen aus dieser Zeitepoche zu erinnern.

Cineastische Popkultur der 1980er

Dass für die Umsetzung unzähliger visueller Anspielungen auf Film, Fernsehen und musikalische Popkultur der 1970er/80er/90er kein geringerer als der Urvater des modernen Blockbusters Steven Spielberg gewonnen werden konnte, ist wohl mit Abstand die größte Stärke der Romanverfilmung.

Spielberg hatte die Popkultur jener Epoche wie kein anderer Regisseur zuvor oder nach ihm geprägt bzw. kann man sagen er hat sie mitbegründet. Spielbergs Handschrift findet sich nicht nur in den von ihm auf dem Regiesessel geschaffenen Werken wider (Jaws (1975), Close Encounters of the Third Kind (1977), E.T. (1982), Poltergeist (1982), IndianaJones (1981,84,89) , Jurassic Park (1993) uvm) sondern auch in unzähligen anderen Filmen die er mitproduzierte (z.B. Back to the Future (1985), Goonies (1985), Gremlins (1984), The Land before Time (1988), usw) und Produktionen anderer Filmschaffender, welche durch Spielbergs Stil inspiriert wurden. Ich denke da vor allem an Robert Zemeckis oder Roland Emmerich, der zu Beginn seiner Hollywoodkarriere in seiner Heimatstadt Stuttgart auch „Das Spielbergle“ genannt wurde.

Wer in den 1980ern Kind bzw. Jugendliche/r war, kam an Spielbergs Einfluss nicht vorbei und wurde in sehr hohem Maße durch die darin transportierten Bilder und Geschichten geprägt. Da mein absoluter Lieblingsfilm E.T. ist, welcher einer der ersten Filme war, die ich im Grundschulalter auf der großen Kinoleinwand genießen durfte, weiß ich aus eigener Erfahrung wovon ich spreche.

Obwohl die Story des Films Ready Player One (2018) sich natürlich sehr stark an der Buchvorlage orientiert, konnte Spielberg nicht anders als auch dieser Verfilmung seinen unmissverständlichen Stempel aufzudrücken, indem einige Sequenzen von ihm eingefügt wurden, welche im Roman nicht vorkommen. Allen voran ist hier das Autorennen am Beginn der Schnitzeljagd um das Easter Egg zu nennen, in dem wir vom Batmobil über das Motorrad aus Akira zum DeLorean aus Back to the Future so ziemlich alle nur irgend möglichen Film und TV Fahrgeräte zu sehen bekommen.

Einige Sequenzen wurden von Spielberg und seinem Produktionsteam wiederum so verändert, dass sie eine Homage an Spielbergs eigene Inspirationen bilden. Allen voran jene Szenen in denen unsere Protagonisten, anders als in der Romanvorlage, nicht die Story des Films War Games (1983) durchspielen müssen, um an einen der Schlüssel zu gelangen, sondern in die verblüffend detailgenaue Kulisse von Stanley Kubricks Adaption des Stephen King Romanklassikers The Shining (1980) eintauchen.

Obwohl ich persönlich den Film War Games jederzeit der Verfilmung von The Shining vorziehen würde, kann ich diese Handlungsänderung aufgrund der freundschaftlichen Beziehung, die beide Regisseure privat zueinander pflegten, durchaus nachvollziehen. Spielberg würdigt hiermit nicht nur Kubricks unverkennbaren Filmstil, sondern setzt dem leider viel zu früh verstorbenen Meister subtiler, unter der beeindruckenden Optik verborgener Botschaften ein ziemlich unmissverständliches Ehrenzeichen, indem ein Schlüssel zum ultimativen Easter Egg in einem seiner umstrittensten Werke versteckt wird.

Take On Me !!

Eine der aus meiner Sicht besten Homagen, die Spielberg nahezu beiläufig in die Handlung einbaute, ist jene in der einfach nur visuelle Referenzen an das bekanneste Musikvideo der Schwedischen Popgruppe A-Ha verwendet werden, ohne diese vorher großartig anzukündigen oder durch Dialoge und Hinweise im Film selbst zu kommentieren.

Der einzige, sehr subtile Vorbote war die Verwendung des Songs Take On Me in einem der Filmtrailer gewesen. Und obwohl ich selbst dieses Video seit meiner in den 1980ern verbrachten Jugend schon unzählige Male gesehen habe, ist es mir bei der ersten Sichtung des Films Ready Player One nicht gleich aufgefallen, dass die Sequenz, in der Wade und Samantha in der Realität vor den Schergen der 101 fliehen, ziemlich eindeutig an die Handlung des Musikvideos angelehnt ist.

Wem es ähnlich geht, der sei auf folgenden Artikel verwiesen, um sich das ganz besonderen Easter Egg im Detail erklären zu lassen:

Here’s the maybe most subtle, neatest Ready Player One reference you probably missed !

Take On Me
aus dem Musikvideo Take On Me von A-Ha, 1985

Contra

Wie in jedem anderen Spielbergfilm, ist die Hand des Regisseurs auch in Ready Player One oft Fluch und Segen gleichzeitig. Einerseits lieben wir die bildgewaltige Opulenz und rasante Action, welche gekonnt in Szene gesetzt wird. Leider bleiben dadurch oft einige subtilere, langsamere Momente und schwere Themen, wie die unheilvolle Entwicklung der Menschheit, das Leben in Zukunfst-Slums und die allgemeine materielle wie intellektuelle Verarmung, etwas auf der Strecke.

So kommt es am Ende des Films zu einer seltsamen Diskrepanz zwischen der 2 Stunden lang zelebrierten Freude an der Flucht in eine abgedrehte, vollkommen virtuelle Welt, die wir jederzeit der Tristen Realität vorziehen würden, und dem Hinweis darauf, dass eine der ersten Änderungen durch die  neu ernannten Wächter über die Oasis eine zeitliche Nutzungsbeschränkung für die virtuelle Welt ist, die dazu dienen soll die Menschheit zumindest 1x pro Woche wieder ein Stückchen mehr in die Realität zurück zu holen.

Ich nehme an, dass dieser Schluß im Buch mehr Sinn macht, wenn darin die Hintergründe des tristen Lebensalltags in der Zukunfts-Dystopie näher beleuchtet werden und klar wird, dass nur durch ein Leben in der Realität eine Umgestaltung möglich sein kann. Im Film kommt dieses Thema eindeutig zu kurz, wodurch auch der seltsame Sinneswandel am Ende ziemlich unglaubwürdig wirkt.

Fazit

Wer gerne auf der Nostalgiewelle der 1980 reitet, Videospiele liebt und auch Steven Spielbergs cineastischem Lebenswerk etwas abgewinnen kann, wird diesen Film einfach lieben. Denjenigen ZuseherInnen, die mit den 1980ern so garnichts anfangen und sich in dieser speziellen Ecke der Popkultur generell weniger auskennen, wird es allerdings eher schwer fallen zu begreifen was die Faszination an der Verfilmung des Romans Ready Player One ausmacht.

Für mich persönlich hat die Masche wiedermal hervorragend funktioniert und ich vergebe mit gutem Gewissen 5 von 5 virtuellen Krokis, welche Easter Eggs legen, die sie im Sand der Zeit verscharren, damit sie so in 25-30 Jahren im Zuge einer 2018er Nostalgiewelle wieder aufleben können.

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5 / 5

Wie hat euch der Film Ready Player One gefallen ? Top oder Flop ?

Eure Infos, Fragen und Antworten könnt ihr wie immer in den Kommentaren posten. Über euer Feedback freue ich mich immer !

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