Doctor Who S11E08 : The Witchfinders – nicht so schlecht aber trotzdem exemplarisch für die Grundprobleme dieser Staffel

Auch diese Folge stand in diversen Fanforen und  Diskussionen stark unter Beschuss. Vor allem weil die historische Persönlichkeit King James in eine etwas groteske Comedy Version konvertiert wurde. Ich fand The Witchfinders, im Vergleich zu dem was davor zu sehen war, garnicht so schlecht. Allerdings spiegeln sich in dieser Episode auch so ziemlich alle Probleme wider, welche die 11. Staffel New Who generell plagen.

Vorsicht, Spoiler !

Handlungsbogen

Doctor 13 (Jodie Whittacker) und ihre Companions verschlägt es ins 17. Jahrhundert und sie bekommen es in einem kleinen Dorf mit einer von gestrandeten Aliens beeinflussten Einwohnerin zu tun, die maßgeblich an der lokalen Hexenverfolgung  beteiligt ist. 

Wir lernen ein junges Mädchen namens Willa Twisten (Tilly Steele) kennen. Deren Mutter (Tricia Kelly) wird gleich am Beginn der Geschichte als Hexe verfolgt und umgebracht. Nun gilt es zu verhindern, dass sie das gleiche Schicksal ereilt.

King James (Alan Cumming) trifft in seiner Funktion als oberster Hexenjäger im Dorf ein. Zunächst scheint er sehr interessiert an einer Zusammenhielt mit dem Doctor & Co. Doch dann spitzt der Konflikt sich zu, bis Doctor 13 schließlich selbst der Hexerei beschuldigt wird.

Am Ende werden ein paar kriminelle Allienseelen aus einem Baumverlies befreit, in dem sie jahrelang interniert gewesen waren und dabei seltsamen Naturereignisse hervorgerufen hatten, deren Heraufbeschwörung den angeblichen Hexen angedichtet worden war.

Pro

Das historische Setting

Die gewählte Zeit, der Ort und die Grundidee, die Ära der Hexenverfolgung näher zu beleuchten, finde ich durchaus vielversprechend. Die Umsetzung ist teilweise auch wirklich spannend, in einigen Momenten sogar gruselig. Vor allem zu Beginn der Folge, als wir erleben wie tatsächlich eine Person umgebracht wird, die auch der/die Doctor trotz eines beherzten Versuchs nicht mehr retten kann.

Dass King James (Jakob der I. Von England, 1566 – 1625) in der Geschichte vorkommt, finde ich ebenfalls schlüssig. Er gilt als Verfasser eine Schrift über Dämonologie und erließ 1604 ein Gesetz zur Hexenverfolgung, das erst lange nach seinem Tod wieder aufgehoben wurde. In seinem Auftrag wurde eine Übersetzung der Bibel ins Englische publiziert, die sogenannte King James Bible. Auch seine vermutete Homosexualität ist historisch belegt. In die Darstellung durch Alan Cumming fließen die historischen Fakten mit ein.

Ein weiblicher Doktor im Zusammenhang mit dem Thema Hexenverfolgung

Was diese Folge darüber hinaus auszeichnet ist, dass sich hier die erste (und einzige) Gelegenheit dieser Staffel ergibt, die Tatsache zu thematisieren, dass der Doctor nun eine Frau ist und sich daraus zusätzliches Konfliktpotential ergeben kann, wenn sie in vergangenen Epochen der Erdgeschichte unterwegs ist. 

So wird sie z.B. von King James vorerst nicht ganz ernst genommen, da er einer Frau nicht wirklich zutraut ein Witchfinder General zu sein, für den sie sich ihm gegenüber ausgibt. Stattdessen wendet er sich an Graham (Bradley Walsh), dem er in dieser Sache mehr Expertise zutraut. 

Ähnliche Reaktionen erntet Doctor 13 auch von anderen Nebenfiguren, die sie in der Erfüllung ihrer Mission als Retter der Unschuldigen behindern, so dass sie sich in einem gut platzierten  Nebensatz wie folgt äußert:

Honestly, if I still was a bloke, I could get on with my job and not have to waste time defending myself

Ein weiterer Pluspunkt dieser Episode ist, dass Doctor 13 das erste Mal wirklich in Gefahr gerät und selbst als Hexe ertränkt werden soll. Aus der Situation kann sie sich nur mittels eines Entfesselungstricks retten, den sie angeblich von Houdini persönlich erlernt hatte.

Am besten gefällt mir die Szene, in der King James Doctor 13 gefangen nimmt und ihr vor der geplanten Hinrichtung noch einmal recht anschaulich erklärt welche philosophisch – theologischen Ansichten ihn dazu bringen. Hier wird auch klar, dass seine Aversion gegen Frauen und angebliches Hexenwerk in seinem eigenen Kindheitstrauma wurzelt. Letzteres ist zwar historisch nicht wirklich belegt, aber innerhalb der gezeigten Geschichte durchaus schlüssig.

Ein weiteres Zitat des Doctors zu diesem Thema bringt es ganz gut auf den Punkt:

These are hard times for women. If we’re not being drowned, we’re being patronized to death

Contra

Wie schon so oft in der 11. Staffel New Who, wird die durchaus spannende Prämisse der zu erzählenden Geschichte am Ende nicht ganz so überzeugend umgesetzt. Obwohl  einige gut durchdachte Details enthalten sind, die mir sehr gefallen (siehe oben), hatte ich das Gefühl diese sehr schönen Ansätze waren wieder viel zu kurz und hastig abgehandelt und gegen Ende nicht mehr konsequent weiter verfolgt.

Nicht konsequent ausgenutztes Konfliktpotential 

Es werden zwar einige Konflikte angesprochen, aber keiner so wirklich im Detail beleuchtet.

So ist z.B. angedeutet, dass Doctor 13 durch ihre geänderte Gender-Identität des öfteren für weniger Durchsetzungsfähig gehalten wird als z.B. Graham, dem King James die Funktion eines Witchfinder General eher zutraut. Statt diesen Konflikt weiter auszubauen, bleibt es aber bei ein paar eingestreuten Dialogelementen, die mehr oder weniger schulterzuckend hingenommen werden und für das große Ganze eher konsequenzlos bleiben.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in der Doctor Who Community generell sehr viel darüber diskutiert wird, dass Bradley Walsh ja eigentlich viel besser als Doctor geeignet wäre als Jodie Whittacker und die beiden doch lieber ihre Rollen tauschen sollten.

Aus diesem Konfliktpotential hätte man auf einer Metaebene sehr viel mehr machen können. Und zwar nicht nur in der Folge The Witchfinders, sondern in der ganzen 11. Staffel. Statt dessen wird in den bisherigen Episoden eine Fehldeutung der Autoritätsverteilung zwischen Doctor und Companion durch uninformierte Nebencharaktere zwar mehrmals vage angedeutet, aber dann doch niemals weiter diskutiert.

Auch gibt es, nicht nur in The Witchfinders, sondern auch in den anderen beiden historisch angehauchten Folgen Demons of the Punjab und Rosa, ein paar sehr interessante Andeutungen darauf, wie religiöse bzw. politische Fanatiker – sowohl männliche als auch weibliche – zu dem werden was sie sind und wie ihr Machterhalt durch die Verfolgung Andersdenkender funktioniert. Die Auflösung der Plots ist dann aber doch wieder nur an das erscheinen von Aliens geknüpft.

Der Konflikt zwischen  Frauen, die als angeblichen Hexen verfolgt werden, und religiösen Fanatikern, die Macht aus ihrer Verfolgerrolle schöpfen, ist auch in The Witchfinders am Ende leider nur mehr ein Randthema.

Schuld an allem sind nicht die Menschen, die eine Kultur der Kontrolle durch Angst und Verfolgung erschaffen hatten, sondern irgendwelche kriminellen Aliens, die irgendwer aus irgendwelchen gründen in einer Art Gefängnis eingesperrt hatte, deren Geister irgendwie herumspuken und die durch eine Art Exorzismus ausgetrieben werden müssen.

Unnötige Aliens

Wie schon bei Demons of the Punjab, wirkten die Aliens der Woche auch in The Witchfinders nicht nur aufgesetzt, sondern sie haben einen fast schon störenden Effekt auf die Qualität der Auflösung der Geschichte. In beiden Fällen lenken die Aliens zu sehr von den eigentlichen, sehr interessanten sozialpolitischen und philosophischen Themen ab. Diese erscheinen am Ende fast schon unwichtig. Meiner Meinung nach hätten beide Episoden in sich geschlossen besser funktioniert, wenn man die Aliens einfach weggelassen hätte.

Zugegeben – der Zwang, jede wie auch immer geartete Geschichte mit Aliens in Verbindung zu bringen, war schon immer eines der offensichtlichsten Probleme von Doctor Who. Das wird jedoch in keiner anderen bisherigen Staffel der Serie so deutlich wie in dieser.

Unnötige Companions Yaz und Ryan

Die beiden Companions Yaz (Mandip Gill) und Ryan (Tosin Cole) sind auch in dieser Folge leider vollkommen nutzlos und tragen so wirklich überhaupt nichts zur Handlungsentwicklung bei.

Ich frage mich wirklich warum jede Episode der 11. Staffel krampfhaft alle verfügbaren Figuren enthalten muss. Wenn keiner der an den Drehbüchern und deren Umsetzung beteiligten Personen eine gute Idee hat, wie Yaz und Ryan sinnvoll in die Geschichte integriert werden können, wäre es besser sie einfach garnicht auf die Reise mit zu nehmen. Schließlich waren in vergangenen Staffeln und Folgen auch nicht immer alle potentiell möglichen Companions gleichzeitig dabei.

Alan Cummings Darstellung des King James 

Der Auftritt dieser Figur polarisiert das Fandom. Die einen finden ihn unterhaltsam und gut gespielt. Die anderen stoßen sich an der stark überzeichneten Erscheinung (pompöse Kleidung, starkes Make-up), dem seltsamen Akzent und daran, dass er generell etwas zu „lustig“ angelegt wurde. Das alles lenkt zu sehr von der ansich sehr düster-gruseligen Grundstimmung ab, die in den ersten Szenen der Folge mit dem Tod von Tilly Twistons Mutter etabliert wird.

Der schrullige Charakter von King James wurde teilweise als Comic Relief konzipiert, damit die gruselige Komponente in dieser Episode nicht allzu sehr über Hand nimmt. Das Ganze soll ja auch für jüngere ZuseherInnen erträglich bleiben. Zum anderen fungiert er aber auch als Inkarnation des religiösen Fanatismus, welcher ganz abseits von Aliens und übernatürlichen Begebenheiten den eigentlichen Feind in der Geschichte darstellt. 

Der Kontrast zwischen beiden Rollen/Persönlichkeitsanteilen ist durchaus interessant. Mit etwas mehr realistischer Grausamkeit sowie etwas weniger Slapstick und halb so komischen Wortmeldungen hätte dieser Charakter aber vermutlich noch besser funktioniert.

Fazit

Alles in allem hat mich die Folge The Witchfinders zwar nicht umgehauen, aber doch eher positiv überrascht. Obwohl das Gesamtergebnis noch immer sehr weit hinter dem bleibt, was ich als wirklich gelungene, in sich abgerundete Doctor Who Folge bezeichnen würde, ist es eine der besseren Episoden der 11. Staffel. 

Es ist wirklich erstaunlich, dass hier eine Folge geschaffen wurde, die gleichzeitig um einiges besser ist als alles was uns in dieser Staffel bisher präsentiert wurde und trotzdem so ziemlich alle Probleme beinhaltet, welche die Staffel im Allgemeinen plagen.

Drehbuchautorin Joy Wilkinson hat meiner Meinung nach durchaus Potential eine gut durchdachte Story mit intelligenten Dialogen zu kombinieren. Der erste Versuch, sich im Doctor Who Universum zu bewergen, war schon mal ganz ok.  Ich hoffe, dass sie in der (gerade in Produktion befindlichen) 12. Staffel wieder mit dabei ist und ihre bisher gesammelte Erfahrung dafür nutzen kann, endlich eine wirklich gute Folge mit Jodie Whittackers 13. Doctor zu schreiben. 

Die Entscheidung ob das Glas, das nicht perfekt ist, halb voll oder halb leer beurteilt wird, liegt immer im Auge des Betrachters. Angesichts der Tatsache, dass die Vergleichswerte in dieser Staffel unglaublich schlecht sind, entscheide ich mich für halb voll und vergebe für die Episode The Witchfinders ein vorsichtig positives Kroki, das aber leider nicht sehr nachhaltig begeistert ist.

nicht begeistertes, aber vorsichtig positives Kroki

Wie hat euch die Folge The Witchfinders gefallen ?

Wie steht ihr zu den in diesem Artikel angesprochenen Punkten ?

Schaut ihr noch Doctor Who, oder habt ihr schon aufgegeben ?

Was würdet ihr ändern, damit die 12. Staffel wieder besser wird ?

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