Doctor Who S11E03 : Rosa – warum die gute Idee trotzdem einen schalen Nachgeschmack hinterlässt

Vorsicht Spoiler – dies ist ein Review und kein Werbeteaser 😉

Handlungsrahmen der Episode

Doctor 13 (Jodie Whittacker) und ihre Companions a.k.a Freunde wollten am Ende von Folge 2 – The Ghost Monument eigentlich zurück in die Gegenwart von Graham (Bradley Walsh), Ryan (Tosin Cole)  und Yasmin (Mandip Gill) reisen. Die TARDIS bringt sie jedoch ohne große Erklärung in die USA der 1950er Jahre, wo sie auf Rosa Parks (Vinette Robinson), eine Vorreiterin der „schwarzen Bürgerrechtsbewegung“ treffen.

Das Alien der Woche ist ein Zeitreisender namens Krasko (Josh Bowman), der offenbar in der Zukunft an einem Alien-Genozid beteiligt war und nach längerem Gefängnisaufenthalt eine Art Mikrochip eingepflanzt bekam, wodurch er nicht mehr imstande ist jemanden zu verletzen oder zu töten. Aus nicht näher erklärten Gründen möchte er die (schwarze) Bürgerrechtsbewegung auf der Erde sabotieren, indem er gewaltlos kleine Ereignisse zu manipulieren versucht, damit diegroße historische Ereignisse und zukünftige Umwälzungen nicht stattfinden.

Von Doctor 13 & Co muss er natürlich daran gehindert werden die Geschichte der Menschheit auf so gemeine Weise von deren ursprünglicher Entwicklung abbringen zu wollen.

Das Positive – Die gute Idee

Diese Episode funktioniert vor allem durch eine sehr glaubwürdige Charakterisierung von Rosa Parks und deren Darstellung durch die Schauspielerin Vinette Robinson. Meine anfängliche Befürchtung, dass die Darstellung einer historisch wichtigen Person am Ende theatralisch, schnulzig und peinlich werden könnte, hat sich zum Glück also nicht bewahrheitet.

Im Gegenteil  hatte ich hier wirklich den Eindruck, dass von allen Beteiligten an Drehbuch und Umsetzung sehr viel Anstrengung und Recherche unternommen wurde. Mit der Figur der Rosa Parks wird äußerst pietätvoll umgegangen. Sie ist als starker, mutiger Charakter dargestellt, die aber nicht als wandelndes Klischee rüberkommt, sondern sehr realistisch agiert und eingehend dabei beobachtet werden kann, wie sie ihre Entscheidungen abwägt und sich schließlich nach einigen kleinen Ereignisverkettungen dazu entscheidet, ihren schon länger gehegten Wunsch nach offen gezeigtem Aufbegehren gegen das rassistische Gesellschaftssystem in die Tat umzusetzen.

Vor allem für jene ZuseherInnen, die den historischen Kontext noch nicht so gut kennen, ist es sicher ein Gewinn, diesen so realistisch wie möglich vor Augen geführt zu bekommen. Die gezeigten Gesellschaftsprobleme sind nicht von äußeren Einflüssen wie Aliens oder Monsterviechern ausgelöst, sondern von den Menschen, die sich in diesem System bewegen und es aufrecht erhalten, so lange bis der Punkt erreicht ist an dem die Unterdrückten es sich nicht mehr gefallen lassen und gemeinsam aufbegehren.

Gerade vor dem historischen Hintergrund unserer eigenen Gegenwart ist es richtig und wichtig in Erinnerung zu rufen, dass viele der Probleme, die wir mit Rassismus und rechten Ideologien haben, nicht von heute auf morgen aus dem Nichts entstanden, sondern sich schleichend durch viele kleine Ketten von Ereignissen entwickelten. Gleichzeitig wird uns aber auch bewußt gemacht, dass durch eine ebenso feingliedrige Kette von Ereignissen auch revolutionäre Umwälzungen entstehen können, die das Potential haben bestehende Verhältnisse in eine positivere Richtung weiter zu entwickeln.

Interessant finde ich auch den Ansatz, dass Doctor und Companions dazu gezwungen werden, den natürlichen Zeitverlauf, der durch Kraskos Manipulationsversuche in eine falsche Richtung abzugleiten droht, wieder herzustellen, damit die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft auch so stattfindet wie sie soll.

Das TARDIS Team steht unter dem Druck alles mögliche tun zu müssen damit Rosa den Startschuss für das allgemeine Aufbegehren in Form von Busboykotten geben kann. Auch wenn das bedeutet, dass sie mit ansehen müssen wie Rosa am Ende aufgrund ihres unter Protestes verhaftet wird, ohne eingreifen und ihr beistehen zu dürfen.

Das Negative – ein Aliengegner der erstaunlich einfach zu besiegen ist

Eine alte Drehbuchweisheit besagt, dass die Helden einer Geschichte immer nur so stark und überzeugend sind wie ihre Gegenspieler. Leider krankt diese Episode Doctor Who genau daran, dass es zwar eine Art Aliengegner gibt, dieser aber bei weitem nicht anspruchsvoll genug ist um die Stärken der Helden hervorheben zu können.

Wir erfahren genau garnichts über die eigentlichen Beweggründe warum Krasko, der aus der Zukunft und wahrscheinlich auch von einem anderen Planeten stammt, versucht die Bürgerrechtsbewegung auf der Erde im Jahr 1955 zu sabotieren, um damit irgendeine Kettenreaktion in Gang zu setzen, die irgendetwas in der Zukunft zu seinen Gunsten verändern soll.

Seine Motivation wird in ein paar Sätzen abgehandelt. Er versucht ein paar Umstände zu manipulieren und wird dann relativ unspektakulär mittels seiner eigenen Waffe, mit der man jemanden irgendwo an den Rand der Zeit teleportieren kann, aus dem Weg geräumt. Für den weiteren Verlauf der Geschichte hat er so gut wie keine Funktion mehr.

Bei der wichtigsten Szene – der Protestaktion von Rosa im Bus – ist es Graham, der unfreiwillig als Auslöser dafür  fungieren muss, dass Rosa ihren Platz aufgeben soll. Für ihn ist es ein interessanter Charaktermoment, der ihn dazu zwingt eine sehr negative Reaktion des Umfelds auszulösen, was er selbst im Leben niemals absichtlich wollen würde. Er weiß natürlich,  dass die ganze Aktion in der Vergangenheit notwendig ist um eine historisch wichtige Verkettung mit anderen Ereignissen auszulösen, die am Ende zu einer positiven Veränderung der Lebensumstände jener Menschen beitragen, die in der Zukunft leben. Trotzdem kostet es ihn aber entsprechende Überwindung das auch durchzuhalten.

Grahams Beteiligung an der Busaktion hat den gegenteiligen Effekt zu dem was Krasko ursprünglich geplant hatte. OK, diese Gegenüberstellung lasse ich als gute Idee gelten, bei der sich der Drehbuchautor durchaus etwas Sinnvolles überlegte. Viel effektiver wäre sie allerdings gewesen, hätte man den Alienschurken vorher als halbwegs ebenbürtigen Gegner aufgebaut, um den Konflikt, in dem Graham sich am Ende wiederfindet, durch den Kontrast zu Kraskos Verhalten zu verstärken und Kraskos Auftritt einen tiefer gehenden Sinn zu verleihen.

Fazit – es bleibt ein schaler Nachgeschmack

Ich habe mich bemüht diese Folge gut zu finden und kann verstehen, dass sie unter den ZuseherInnen Großteils sehr gutes Feedback ernten konnte. Es bleibt zu hoffen, dass wir Krasko als zeitreisenden Gegenspieler von Doctor 13 irgendwann später wiedersehen werden und seine Lebensgeschichte, Motivation und Sinngebung etwas detailreicher ausgebaut werden kann.

Nachdem ich zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Text hier schreibe, aber auch schon die Folgen 4-6 gesehen habe, ist diese Hoffnung leider schon ziemlich gering geworden. Schade, schade, denn irgendwie beschleicht mich trotz der positiven Einstellung, mit der ich nach der 1. Folge dieser 11. Staffel New Who an die Betrachtung heranging, nun langsam der Eindruck, dass da wirklich etwas ganz tief im Grunde etwas nicht zu passen scheint.

Der schale Nachgeschmack dieser Folge ist leider auch nach einigen Wochen nicht vergangen und wird, so wie es aussieht, noch länger nachwirken. Denn offenbar ist es ein spezielles Feature dieser Staffel, uns jedes Mal einen anderen Aliengegner zu präsentieren, der am Ende leider vollkommen nutz- und belanglos erscheint.

Einen entsprechenden Text dazu muss ich noch formulieren und werde dafür wahrscheinlich noch ein paar Folgen ansehen, um das Bild zu vervollständigen und nicht doch zu vorschnell ein negatives Urteil zu fällen.

In diesem Sinne kann  ich für die Episode S11E03 : Rosa, trotz wirklich guter Grundidee und einer hervorragenden Darstellung des historischen Kontextes, beim besten Willen nicht mehr als 2,5 von 5 Krokis vergeben, welche die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben haben, dass sie am Ende eines besseren belehrt werden  und der zeitreisende Rassist irgendwann doch noch eine zufriedenstellende Backstory erhält.

cropped-wp-15346304268731.jpg  cropped-wp-15346304268731.jpg  cropped-wp-15346304268731.jpg    2,5 / 5

Meine Idee für eine interessante Weiterührung der Ereignisse werde ich vorraussichtlich ebenfalls in einem eigenen Artikel zusammen fassen.

Fragen an die Leserschaft:

Schaut ihr die neue Staffel noch oder gehört ihr zu denjenigen, die bereits entnervt aufgegeben haben ?

Wie hat euch diese 3. Folge gefallen ? Top oder Flop?

Wie denkt ihr über die Frage ob Kraskos Auftritt einmalig war oder er später nochmal etwas sinnvoller zurückkehren wird ?

Eure Infos, Fragen und Antworten könnt ihr wie immer gerne in den Kommentaren posten. Über euer Feedback  freue ich mich immer !

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